Um nun ein belastbares Gefühl dafür zu bekommen, ob eine BM-Jolle das richtige Segelgefährt für die nächsten Jahre sein könnte, wollte ich so’n Bootje natürlich erstmal Probe segeln. Am besten ’ne längere Zeit und mit Übernachten auf dem Boot. Wen dieser sächsischen Landratten kann man dafür als patenten Vorschoter mitschleppen? Um diese Frage zu beantworten, musste ich wirklich nicht lange überlegen. Der Bäcker kommt mit, schließlich hat er es irgendwie geschafft, 2013 ohne irgendwelche Segelkenntnisse per Anhalter über den Atlantik gesegelt zu sein. Irgendwas wird der Mensch dabei schon gelernt oder verstanden haben, schmerzfrei isser sowieso, also gesagt, getan, gefragt und zugesagt. Läuft. Außerdem isser Hesse und nervt deshalb nicht mit Sachsendialektik.

Jetzt nur noch so’n Boot mieten. Leichter gesagt als getan, gibts nämlich kaum noch zu mieten, die ersten beiden Seiten im Netz hatten ihre „BM-Flotten“ gerade für ’n Appel und ’n Ei verscherbelt. Der Trend geht eindeutig zur Yachtvercharterung und für den kleinen Geldbeutel zur Polyvalk als Option. So ein Plastikkahn bringt bloß leider für meine Anliegen gar nichts, also weitersuchen. Irgendwann stieß ich dann fast zufällig auf eine deutsche Internetseite, auf der BM-Jollen zur Vermietung angeboten wurden, wirkte aber nicht wie der Vermieter sondern eher wie ein Makler. Egal, trotzdem gebucht, das Wetter (naja, Vorghersagegenauigkeit bei einer Woche nur relativ sicher) sah vielversprechend aus, Sonne satt und moderate Winde. Da reifte sogar noch der Plan sich mit dem Gefährt mal kurz aufs Ijsselmeer zu wagen.

Hier der link zum Vermieter: Bootsverleih – De Schakel, Langweer

Überblick:

Der Erprobungstörn fand von Montag, 10.08.2015 bis Freitag, 14.08.2015 in der niederländischen Provinz Fryslan (Friesland) statt. Ein geniales Revier, bestens erschlossen mit Häfen, Marinas und kostenlosen Festmachmöglichkeiten (Marrekritten-Info). Eindrucksvoll auch durch den krassen Kontrast zwischen der landwirtschaftlichen Nutzung der Ackerflächen im Vergleich zum Segel- und Motorbootverkehr auf den Seen und Kanälen. Außerdem ist das Ijsselmeer in Schlagdistanz. Ein besonderes Revier! Mit den besten Pommes der Welt…

Karte des gesamten Törns:alledage

Montag, 10.08.2016

Los ging’s von Oldenburg aus, dort wohnten meine Schwiegereltern und so konnten wir mehrere Fliegen mit einer Klappe erschlagen indem wir Omi und Opi mal wieder besuchten, ich die Mädels eine Woche bei Ihnen ließ und somit den Erprobungstörn mit Pfadfindercharakter auch ohne kindische Quengeleien durchführen konnte. Der Bäcker reiste aus Bremen an, Treffpunkt war 7:20 Uhr am Oldenburger Bahnhof. Ich bat um Pünktlichkeit, weil ich ja weiß dass wir beide nicht so wirklich für’s Frühaufstehen geschaffen sind. Mit einer kompletten Zugladung Bürozombies fiel mir mein Bäckerfreund also 20 nach 7, pünktlich, entgegen. Grandezza, das hätten wir schonmal geschafft! Auto gestartet und Proviant fassen. Nächster Stop Emden. Eine gefühlte Ewigkeit in einem Emdener Kaufland zugebracht, Proviantierung mit Wasser, Wein, Äppelwö, Keksen, Äpfeln und Tabak. Schnell noch tanken, dann Grenzübertritt. Bis wir Langweer dann endlich erreichten war es ca. 12:00 Uhr, ich wollte eigentlich schon um 10:00 Uhr hier sein, aber naja, erstens ist Urlaub und wir haben die ganze Woche Zeit, zweitens selber Schuld, viel zu viel gequatscht und mich dadurch 2-3 Mal verfahren.

Nach ein paar Schritten haben wir den Hafen von Langweer gefunden, ’ne ganze Menge BM-Jollen und einige Valken liegen am Verhuur-Steg, im benachbarten Hafenbecken riesige 20 m lange Motorboote und ’ne Menge Zwischenkategorien. Ferienzeit in NL! Merkt man!

Als wir die ganzen Motorbootfamilien so vor Ihrem zweiten Müslifrühstück sitzen sehen, denken wir das ’ne zweite Proviantierung keine schlechte Idee ist, wer weiß wann wir das nächste Mal in der Zivilisation sein werden, außerdem sah Langweer vom Auto aus gesehen ganz schick aus. Bis zur Innenstadt, bzw. dem Dorfmittelpunkt, sind es 3 Minuten zu Fuss, dort erstehen wir zuerst eine Waaterkaart Fryslan (Friesische Seenkarte), unentbehrlich. Danach einen Vispas (Angelerlaubnis) und den Marrekrittenwimpel, natürlich, passend zur Bootsgröße, den kleinsten. Das versteht sich von selber, wenn man schon für Umme an den gepflegten Festmachplätzen übernachtet, kauft man unbedingt den Wimpel. Wenn nicht isses asozial. Der Rest des Einkaufs war dann wirklich Proviant, also Käse, Mayonaise, Gurken, Äpfel, friesisches Brot (musste der Bäcker mitnehmen) und Bier (oder sowas Ähnliches, Heinecken halt). So, Proviantierung abgeschlossen.

Wir also zurück zum Verhuursteg und uns ’ne Jolle ausgesucht. Durchgestecktes Ruder war Pflicht, ansonsten natürlich auf den Namen acht gegeben und dann gings los. Die Suche nach dem Vermieter oder sonst Irgendwem in „Verantwortung“. Es dauerte ’ne halbe Stunde bis der Bäcker mir in die Seite stieß und meinte: „Gugg ma der da, den hau’n wir mal an, könnt der Hafenjonny sein, der hat zumindest ’ne Pfeife im Mund und macht ‚grad einen auf wichtig. Gesagt, getan, hin zum Mittvierziger auf seinem Gazelle-Damenfiets und angehaun. „Heh, hello, excuse me, do you know someone from the bootsverhuur de Schakel? I booked a boat from them, but we don’t find anyone….“ „Yeah, hello, so you are Mr. Miller, I expected you 2 h ago…So, come on, get the boat…“ Also schmissen wir unseren ganzen Kram rein in die „Siep“.startDabei ist zu erwähnen, dass ich dem Bäcker empfahl die Isomatte nicht mitzuschleppen, weil die doch viel zu sperrig sei und ich super Luftmatratzen dabei hätte. Also ließ er sich überreden und die Isomatten im Auto. Dann wollte ich noch ’ne kurze Einweisung, von sich aus machte der Hafenjonny genau das: „Here on the motor you have the starting rope, this is the gearlever, here the throttle-control, ok?“ Musste ich also nachfragen wie die Gaffelsegel gehisst werden und wie man den Mast legen kann. Guckt er mich bissel komisch an und fragt ob wir schonmal gesegelt sind. Ja, klar, aber noch nie mit Gaffeltakelung. Ah ja…Also, zum Mast legen müsst ihr den Baum lockern und unbedingt vorher vom Mast lösen, seitlich daneben ablegen. Und Vorsicht: „Vergeten is Breeken!“ (vergessen ist brechen). Dat is de Gaffel, dat de Giek- un dat de Fockfall, so, ihr kriegt das hin und tschüß!

Noch kurz ’n Erinnerungsfoto und ab dafür. Ok, das Wichtigste hat er uns in 3 Minuten „erklärt“, der Rest kommt beim Machen, also los mit Motor und raus aus dem Hafenbecken. (Irgendwann später wird mir auffallen, dass er weder ein Ausweisdokument sehen wollte, noch die 150 € Kaution haben wollte. Nichts!) Als wir rauskommen in den Langweerder Wielen krieg‘ ich erstmal ’n kleinen Schreck. Man, is hier viel los! Dagegen sind die Gewässer um Berlin ja menschenleer. Besonders im Fahrwasser reihen sich die Boote wie an der Perlenschnur gezogen im 15 m Abstand aneinander. Pausenlos. Und das Fahrwasser ist an allen Kanten des Sees. Wahnsinn. Ok, aufgestoppt, Segel gesetzt, abgefallen und ca. 10 aufkreuzende Schläge gemacht. Dabei mit des Bäckers ersten Theorieversuchen konfrontiert wurden (Wie war das mit anluven, was is nochmal luv, wie heißt das wenn man die Schot locker lässt…?). Na gut, ’ne Klampe belegen kann er, das die auf’m Atlantik nicht permanent gewendet haben ist auch klar, wird schon gut gehen. Nach einer guten halben Stunde haben wir dann den Ausgang aus dem Wielen Richtung Heeger Meer gesucht, Und nach kurzer Orientierungslosigkeit auch gefunden. Segel runter (dauert 20 Sekunden), Motor gestartet und eine kurze Fahrt über einen typischen Kanal bis in „de Kufurd“. Dort entdeckt der Bäcker zwei Motorjollen von denen aus gebadet wird. Also in 50 m Abstand gehalten („Ne, Anker brauchen wir nich, is doch kaum Wind, die Jolle halten wir fest…“) und ins Wasser gehüpft. Wassertiefe genau 0,9 m. Bei 0,8 m Tiefgang der BM-Jolle. Da passte genau noch ’n Fuß drunter, ich hab’s ausprobiert. Dem Bäcker geht die Plörre noch nichmal bis zum Bauchnabel. img_2183Die Stelle befindet sich kurz vor dem Fahrwasser (auch bekannt als Prinses Margrietkanaal) das von Belgien aus zum Ijsselmeer durch de Kufurd führt. Kommt am Freitag nochmal ’n déja vu.

Nach einer halben Stunde Baden gehts weiter, auf Segel setzen wird verzichtet weil es direkt in den nächsten Kanal zum Heeger Meer geht und dort unter Segeln zu fahren sind wir uns noch zu unsicher. Ist auch besser so, weil wir im Prinses-Margriet-Kanaal allen möglichen Monstern begegnen.img_2192Die Fahrt zum Heeger Meer zerrt ganz schön an den Nerven, zwar sind die Monster dort nicht zu finden, allerdings ist ’ne Stunde mit 2takt Motorgeknatter doch ’ne ganz schöne Zumutung. Im Heeger Meer dann auch gleich Segel gesetzt, noch ca. 30 Minuten bei Flaute rumgedümpelt um schließlich noch ca. 45 Minuten bei aufkommender Abendbrise von 3 Bft. halbwindische Schläge zu fahren. Dabei ein gutes Gefühl für’s Bootje bekommen und gegen 19:00 Uhr bei abnehmendem Wind die letzte Tagesetappe nach Woutsend angetreten. Das erste Stück des Kanals noch unter Segeln, bei achterlichem Lüftchen von 1-2 Bft. richtig entspanntes Treiben, bei dem man wunderbar die komplett belegten Stege und Marrekritten voller älterer Pärchen beschmunzeln konnte.img_2201Direkt vor der Kirche von Woudsend liegt eine kleine Marrekritte an der ca. 10 Liegeplätze vorgehalten werden, einer in der Mitte ist frei, gerade groß genug für die BM. Wir hatten auch Hunger, also haben wir den schnell angesteuert und fest gemacht. Stullen geschmiert mit lekker Friesenbrot, noch ’n Äppelwö geleert und ab ins Boot. Ahja, dazu mussten natürlich noch die Luftmatratzen aufgeblasen werden. Da ich irgendwie einen Sonnenstich abbekommen hatte, bat ich den Bäcker das zu übernehmen. Nach der ersten hat er es bereut, die Isomatten nicht mitgenommen zu haben. Also versprach ich Ihm, am nächsten Tag beide aufzublasen. Außerdem besuchte uns beim Stullen verschlingen noch eine ziemlich ausgewachsene Ratte, die problemlos auf’s Bootje geklettert wäre, sobald wir schliefen. Also hieß es noch den Proviant komplett in einer Tasche zu verstauen und 3 m am Mast hoch zu ziehen.img_2225Dann war aber auch Schluß mit lustig. Hier die Karte des Tagesetmals (also von Mittag bis Abend…):dag1

Dienstag, 11.08.2016

Am nächsten Tag total verquollen, aber glücklich und einigermaßen ausgeschlafen, erwacht, mit schickem Blick auf den Kirchturm und die Altstadt, besser gesagt das Altdorf, von Woudsend.morningimg_2204Kurz nach dem Aufstehen kommt ne ganze Kolonne von Lasern, alle schön aufgereit am schleppenden Motorboot, an uns vorbei. Vielleicht 20 Stück. Die Kinder haben Schulferien und machen damit was Sinnvolles! Luftmatratzen eingepackt, Dektent (Zelt bzw. Persenning) weggeräumt, Proviant vom Mast runter geholt, Motor gestartet und ab zum Sloter Meer. Dabei die erste Brücke in Woudsend passiert. Da noch nicht viel Wind ist und ich unbedingt mal auf den Eimer muss, lassen wir den Motor bei der Querung des Sloter Meeres an. Leider versagt er uns in der Mitte, Treibstoff alle. Also auf dem See getankt (mit schlechtem Gewissen, aber ohne zu tropfen), 10 Minuten an der Startstrippe gezogen, bis wir beide Muskelkater hatten, dann ging er an und wir liefen den neuen Hafen vor Balg an. Dort im Restaurant gabs dann den Eimer und lekker Espresso. Weil er so lekker war nahmen wir noch einen Zweiten und entspannten noch ’ne halbe Stunde, Wind war bisher auch noch keiner, also kein Grund zur Hektik.img_2236Vormittags dann aufs Sloter Meer raus, eher wenig Wind, 2 Bft. höchstens, trotzdem Segel gesetzt und mit ausgelegter Angel 2 h rumgetrieben. Kein Fisch biss an. Dafür peilten wir den falschen Ausgang des Sloter Meeres an, eigentlich wollten wir das Fahrwasser nach Süden, Richtung Sloten nehmen, standen aber irgenwie (durch meinen Superorientierungssinn) vor dem Fahrwasser nach Woudsend, aber da kamen wir ja her…
Alles auf Anfang und ab nach Süden, schön hinter einer 27 Fuß-Yacht eingereiht mit Kurs auf Sloten. img_2243Im Kanal dann weiter gesegelt, bei wenig gut stehendem Wind überhaupt kein Problem, wenn man sich erstmal dran gewöhnt hat. Schönes Kopf an Kopf segeln mit einem anderen alten Gaffelboot, das war richtig gut gepflegt und voll aus Holz. In Sloten fährt man dann schön um die Altstadtinsel rum, passiert eine Klappbrücke an der man dem Brückenwärter 2 € in den Holzpantoffel an der Angel stopft. Das war unsere erste pay-bridge-Erfahrung, aber schnell geschaltet, Kleingeld rausgekramt, Pantoffel gefangen (den hat man schneller am Kopf als man denkt und der ist aus Hartholz) und mit Münzen gefüllt. In Sloten dann einmal um die Insel rum und danach in einen Seitenarm abgebogen, der ausdrücklich nur für eine Bootslänge bis 8 m zugelassen ist, also viel Platz für uns durch fehlende Luxusliner. Innerhalb von 2 Minuten fanden wir einen super Liegeplatz an einer leicht ansteigenden Liegewiese mit Grillmöglichkeit. Ohne das Dektent drüber zu werfen schnappten wir unsere drei Wertsachen und machten einen kleinen Stadtbummel, auf der Suche nach Mittagessen, schließlich war es schon nach 2 und man will sich ja nicht nur von Äpfeln ernähren.
Die Suche war erfolgreich, in der echt schnieken Altstadtimg_2245fanden wir einen kleinen Imbis mit Pataat, Frikandel und Ähnlichem. Also satt gegessen, den Stadtbummel komplettiert, Klopapier gekauft und zurück zum Liegeplatz.bruggDen ersten Kaffee der Tour zubereitet, schön im Mokkakocher auf dem Gaskocher.

Danach noch ’ne Stunde Siesta gehalten, dann unter Motor ab ins „Brandemeer“. Dort machten wir uns bei optimalen Windbedingungen (3 Bft.) einen Spaß mit Bojenrunden. Ca. 20 Rundungen um die Fahrwassermarkierungen des Brandemeeres, die meisten mit seitlicher Touchierung. Als der Spaß dann nicht mehr so lustig ist, nehmen wir Kurs auf den Kanal Richtung „Grootes Brekken“, unser Ziel ist Lemmer für die nächste Übernachtung. Diesmal, bei wieder auf 2 Bft. nachlassendem Wind, wagen wir auch das Kreuzen im 30 m breiten Kanal, es gelingt problemlos. Dabei kommt uns, beleuchtet von der untergehenden Abendsonne, ein bestimmt knapp 20 m langes Plattbodenschiff mit mannsgroßer Galleonsfigur entgegen. Majestätisch treibt es vor achterlichem Wind an uns vorbei, für ca. 1 Minute fühle ich mich wie 200 Jahre in der Zeit zurück gereist. Großes Kino das es sowas noch gibt, dass sich Menschen die Mühe machen die Schönheit vergangener Zeit zu konservieren. Fast läuft mir ’ne Träne der Rührung die Wange herunter.

Im großen Brekken angekommen, fahren wir bei wieder achterlichem Wind von ca. 3 Bft. einen entspannten halbstündigen Schlag Richtung Lemmer. Dabei fahren wir einige entspannte Halsen und versuchen einen gewissen Mindestabstand zur belgischen Berufsschiffahrt zu wahren. Klappt alles ganz gut. Oben im Brekken liegen Antje und Mareike mit einem Valken und ’nem Campingkocher an einer Marrekritte, kurz überlegen wir mal beizudrehen und „Hello“ zu sagen, verwerfen den Gedanken aber nach kurzer Diskussion wieder, schließlich haben wir auch seit mindestens Sonntagabend nicht mehr geduscht…Bevor wir Lemmer erreichen geht die Sonne fast vollständig unter und ich entdecke einen Hafen an Backbord. Obwohl der Bäcker nicht so glücklich scheint, wird das Segeltuch eingeholt und der Hafen unter Motor angelaufen. Dieser liegt direkt am grossen Brekken und bietet (zumindest im Gastliegerbereich) Platz für ca. 10 Boote (Das „richtige“ Wassersportzentrum ist weitaus größer und nicht wirklich sympathisch: Wassersportcentrum „de Brekken“).

Es liegt nur ein kleines Kajütboot mit deutschem Pärchen dort, als wir festmachen kommt der Hafenmeister zügig angeschlürft. Der ist ca. 80 Jahre alt und ich versuche Ihn mit meinem Rumpfniederländisch nach einer Übernachtung zu befragen. „Ick spreek och duits, so wir könn‘ ooch duits miteinander spreeken.“ kommts zurück. Ja, gerne. „Ja, per Meeter kost’s een Euro, dat sin sechs Meeter, also sechs Euro, duschen inklusive.“ Demonstriert er seine Rechenkünste. Perfekt, gesagt, getan, richtig festgemacht, Persenning entrollt, wie versprochen beide Luftmatratzen aufgeblasen (is ’n Klacks, braucht man bloß bissel Geduld) und Duschen gegangen. kaptainDas verspricht ein richtig guter Abend zu werden, vielleicht fangen wir ja noch ’nen Zander für’s Frühstück. Wir machen noch ’n Landerkundungsgang und stellen dabei fest das Land nicht wirklich Land ist. Vielmehr befinden wir uns auf einer künstlich aufgeschütteten Insellandschaft mit hunderten kleinen Inselchen auf denen jeweils ca. 12 Häuser stehen, die alle eine Bootsgarage haben. Teilweise liegen vor den Häusern 20 m lange Motoryachten die ein Vermögen kosten und überall hängen Schilder die auf den Privatbesizt hinweisen. Zugang verboten und so. Verrückte Ecke:brekkenAlso zurück zum Boot, Angel raus, Stullen und Bier mitgenommen, Campingstühle am Kanal aufgestellt und versucht, den Zander zu überlisten. Nen Alten Stiefel rausgefischt, zwei Gummifische in der Kanalauskleidung aus Kunststoffmatten verloren und dann, auch wegen aufkommenden Krachs, aufgegeben. Der Krach kam dabei von zwei Schlauchbooten bzw. deren Besatzungen und den 50 PS Motoren. Irgendwie kamen wir uns auf einmal wie früher in der Jugend beim Autoscooter vor. Jugendliche jagen sich auf dem Kanal mit notdürtig beleuchteten Dinghis mit geschätzten 60 km/h und drehen dabei Pirouetten und schreien (die Mädels) wie am Spieß. Bisschen Lächeln auch bei uns, irgendwann gegen 11 ist der Spaß vorbei und die Jugend läuft in Schrittgeschwindigkeit zurück zu ihren Bonzenhütten. Irgendwann knallen wir uns dann auch auf die Matratzen und schnarchen bis zum nächsten Morgen.dag2

Mittwoch, 12.08.2016

So, heute wird’s ernst. Geplant ist, auch weil das Wetterfenster es nur heute zulässt, einen Schlag übers Ijsselmeer zu machen. Natürlich weiß ich, dass diese Boote dafür nicht wirklich 100% geeignet sind, aber bei vorhergesagten 4 Bft. ohne größere Böen sollte das schon gehen, oder? Da der Bäcker sich kaum mit Bedenken quält und mich bei selbigen nur schief und leicht verächtlich von der Seite anschielt werden wir es versuchen. Erstmal raus auf’n Teich und mal sehen wohin wir fahren werden.

Vorher noch ’n Schnack mit dem Hafenmeister, der uns etwas belustigt anschaut und feststellt: „Dat is ’n Museumsbötchje, gibt ja nich mehr viele, ah, niet für mich, dat segelt nass und ick maag geen Waater“. Dieses „ick maag geen Waater“ bleibt für uns ein geflügeltes Wort für den Rest des Törns, bisher segelten wir ja meistens mit dem Wind…Nachdem wir Ihm noch ein paar Liter Gemisch abgekauft hatten und die Hand schüttelten ging es nach Lemmer rein. Da staunten wir dann doch nicht schlecht, was da so los war. Wirkte wie Amsterdam in klein, mit unzähligen Pubs am Kanal und komplett zugeparkt mit Touristenyachten. Der Bäcker argwöhnte kurz, das es ja etwas Schade sei die Nacht nicht hier im Halli-Galli verbracht zu haben, ich verwies auf die Dusche und den erholsamen Schlaf der letzten Nacht. War bestimmt besser so! Also immer weiter nach Süden, in die Schleuse und vorbei am Hafen, an dem noch einige Traditionsschiffe, z.B. 4-Mast Vollschiffe aus der Clipper-Ära, festmachen. Die fahren auch noch! Dann, daußen im freien Wasser liegt am südlichen Ufer das hier:img_2279Warum auch immer, wir rätseln etwas und ich beschließe dem Bäcker das als Warnung zu verkaufen. „Laß uns vorsichtig sein, Junge…“ Dann fahren wir raus und machen ein paar Schläge bei Halbwind, das fühlt sich alles ganz entspannt an. Auch kurzes Aufkreuzen läuft ganz gut, aber hier haben wir auch noch etwas Landschatten. Relativ früh reift die Erkenntnis, das nur der Schlag nach Stavoren realisierbar ist, zumindest wenn wir, wie beabsichtigt, am Freitag wieder in Langweer sein wollen. Die nächsten Tage ist weiterhin Wind aus Nordost angesagt, morgen soll es außerdem Gewitter geben. Deshalb ist jedes Segeln nach Süden oder Südwesten (Urk und Enkhuizen waren auch auf der Liste der Möglichkeiten) zu vermeiden. Hier ist auf jeden Fall ganz schön Verkehr! Wieder so ’ne Perlenkette aus Yachten (die meisten mindestens 30 Fuss lang, ok, 2 Valken hab‘ ich auch gesichtet, die kamen uns allerdings entgegen… ) die nach Westen fährt. Ich sage irgendwann zum Bäcker: „Wir sollten nicht so weit vom Festland weg, weil wir haben hier mit Abstand den Kleinsten und ich hab‘ keine Lust mich hier von so ’nem Luxusjonny abbergen lassen zu müssen.“ Doppelter Boden ist eben nicht, als Pütz haben wir nur ’ne aufgeschnittene Colaflasche und wenn das Ding voll läuft, machts gluck-gluck, dank 100 kg Kielgewicht. Wir halten uns also nahe der Bojenmarkierung und versuchen wenig Raum nach Süden zu verlieren, den wir vor Stavoren wieder aufkreuzen müssten. Klappt auch alles ganz vorzüglich! Dann kommen drei Anrufe auf meinem Mobiltelefon rein, die ersten beiden ignoriere ich geflissentlich, ist schließlich Urlaub, als es innerhalb einer Minute zum dritten Mal klingelt geh‘ ich doch ran. Mr. T ruft aus Australien an, der muss zuviel Zeit und Geld haben. Bin geschmeichelt und rede 10 Minuten mit Ihm, die Pinne und die Schot immer noch in der anderen Hand. Genau in dieser Zeit kommt uns so ’n Kleinkreuzer auf Kollisionskurs entgegen, der Skip sieht uns auch, 100 %ig. Wir haben eindeutig Kurshaltepflicht, bei entgegenkommendem Verkehr ja die einfachste Übung das auszumachen, der weicht aber nicht aus. Stört der sich an der BvB Fahne im Rigg? Mag der keine Museumsboote? Oder isser doch eingeschlafen? Egal, 50 m vor Kollision lege ich das Telefon weg und fahre ein Ausweichmanöver, bei nachträglichem Reflektieren komme ich zu dem Schluss, dass das leider in die falsche Richtung ausgeführt wurde. Der Kleinkreuzerkapitän macht genau dasselbe (in dem Moment aber das Richtigere) und wir liegen beigedreht 20 m voneinander entfernt. Ich schimpfe kurz und fuchtle mit den Armen, dann geht’s weiter. Am Telefon kurz ‚tschüß gesagt und sich wieder dem Wetter zugewendet. In dem Moment ist mir die Wetterfront über Enkhuizen ein echter Dorn im Auge. Die bewegt sich zwar nicht, aber irgendwie fällt es mir schwer, dem Zustand großes Vertrauen entgegen zu bringen. Von hier brauchen wir bestimmt noch 2-3 h nach Stavoren, zurück macht auch keinen Sinn mehr, weils keine Zeit gewinnt. Es würde gegen Wind und Welle gehen und würden wir gezwungen sein, direkt die nördliche Küste anzusteuern, wäre das ebenfalls direktes Aufkreuzen gegen die Welle, dann brauchen wir für die Strecke auch eine Stunde. Also beten, dass das Wetter hält, und weiter. Irgendwann kommt das Kap von Stavoren, das peilen wir schön an, um mit Halbwind bis Stavoren durchzuziehen. So weit die Idee. Da wir die ganze Zeit Sichtkontakt zur Bojenkette im Norden haben, schaue ich mal auf der Karte was das soll. Untiefe! Großflächig. Mal nach vorne geschaut (auf der Karte) zeigt ein Vogelschutzgebiet und Untiefen am Stavorener Kap. Deshalb fahren die Yachten auch irgendwann einen anderen Kurs als wir, luven erst ca. 2 Seemeilen westlich von Stavoren an, um hoch am Wind das Fahrwasser anzupeilen und Stavoren von Westen her anzulaufen. Nach 3 Stunden mit der Nussschale auf dem Ijsselmeer und der ungewissen Wetterentwicklung (inzwischen haben wir in seltenen Böen 5 Bft.) beschließen wir den großen Brüdern nicht zu folgen. Muss ja auch ’n Vorteil haben das man den Kleinsten hat, also Karte nochmal genau studiert, die flachsten Stellen sind mit 1 m gekennzeichnet, bei Lage haben wir nur noch 70 cm Tiefgang, das geht also. Falls die Wasserschutzbehörden uns rausziehen würden, legen wir uns die Erklärung zurecht, dass wir lieber eine Seemeile durchs Vogelschutzgebiet fahren als einen Seenotfall zu provozieren, die Strafe nehme ich in Kauf, mir fehlen einfach die Nerven, jetzt noch den großen Schlag zu fahren. Beim letzten Stück vor Stavoren haben wir dann wirklich 5 Bft. und müssen kreuzen, das geht mit ungerefftem Segelzeug nicht mehr wirklich gefahrlos, also holen wir das Groß ein und der Bäcker (dessen Nerven deutlich besser sind als meine) fährt noch ’n Stück nur mit Fock rum. Dann motoren wir in den Wartehafen vor der Schleuse und gönnen uns einen kurzen Landgang mit 10 Minuten Entspannen auf der Liegewiese des Badestrands. Kindergeschrei erklingt und ich merke, was ich seit 2 Tagen vermisse. Lächeln. Bald wieder zurück, rein in die Schleuse, das Ding ist so klein, das passt überall rein! Als der Bäcker die Fotos macht, dreht sich der Skip vor uns um und fragt leicht ungläubig, ob wir damit gerade draußen waren. Ich antworte: „Yeah, coming from Lemmer“ und er nur so wortloses Nicken. Als der Bäcker wiederkommt meint er: „Haste gesehen, das sollte ’ne stille Respektsbekundung sein.“ Kann sein, kann auch anders gemeint sein, ich glaub auch das der beeindruckt war, uns aber auch für’n bisschen bescheuert hielt. Naja, dessen Dinghi war fast so groß wie unser Bootje!schleuseNach der Schleuse motorten wir dann bei wirklich ekligem Gegenwind und vor allem böser Welle Richtung „Heegermeer“. Dabei überfiel uns mächtiger Hunger, sodaß wir beschlossen, den ersten Ort der sich uns in den Weg stellt, zu überfallen. Das war Hemelum an der „Morra“. Also rein in den Kanal und zack festgemacht. Dort befindet sich eine Segelschule mit einer Art Jugendherberge, das was man bei uns in Dunkeldeutschland Ferienlager nennen würde. Nachdem wir einmal ums Gebäude rumgeschlichen sind, fanden wir die Küche, in der gerade abgewaschen wurde und versuchten auf die freundliche Art ein paar Essensreste von Neele und Annika zu ergattern. Leider waren die zwar freundlich, aber kompromisslos und unnachgiebig behaupteten Sie, es gebe Nichts mehr. Naja, scheinbar sahen wir noch nicht verhungert genug aus! Also weiter, rein ins Dorf und Essen finden. Leider war auch das erfolglos, da dieses Hemelum nur ein Kuhnest ist, dort gab’s gar nichts zu holen, kein Restaurant, kein Imbis, kein Tante Emma Laden, kein Nix. Aber ein russisch-orthodoxes Kloster aus dem 19ten Jahrhundert (Die orthodoxe Gemeinde gibts wohl schon seit dem 14ten Jahrhundert). Da staunte ich nicht schlecht, aber der Hunger trieb uns weiter. Zurück zur Jolle. Um den Hunger zu betäuben, gönnten wir uns erstmal ein Glas sauren Weißwein. Dann Motor gestartet und weiter zum nächsten Ort. Da wir nach Nordwesten wollen, biegt der Bäcker auch direkt nach der Einfahrt in die Morra rechts ab, was zu lautem Schreien der hinter (jetzt neben) uns fahrenden Segelschüler führt. Der Bäcker steht auf dem Heck der Jolle, steuert, wie so oft, lässig mit dem Fuß, ich sitze auf der Bank, nehme gerade einen Schluck des sauren Weißens, da fliegt der Bäcker mit seinem Glas an mir vorbei Richtung Mast. Kurz vorher machte es kurz „schlürf“ und der Kiel vergrub sich im Schlick. Ich schnell nach hinten, den Motor in Leerlauf gesetzt und den deppert dreinschauenden Bäcker gefragt, ob alles ok sei. Alles ok, Knie geprellt, Wein verschüttet, nix Schlimmes. Rückwärtsgang und raus aus dem Schlick, zurück ins Fahrwasser. Jetzt haben auch wir begriffen, das die Fahrwassermarkierung auch für uns gilt. 😉 Zumindest manchmal.

Den kleinen Schock kurz mit ’nem weiteren Schluck sauren Weißem weggespült, uns vergewissert, dass nichts zu Bruch gegangen ist und weiter ging’s Richtung Heegermeer. Nach der Brücke die den Zugang zu 3 kleineren Hegermeer-Ausläufern markiert, kommt dann an Backbord der Erholungspark „de Kuilart“ in Sicht. Da schießen wir motorend rein, weil uns das Ankämpfen gegen Wind und Welle inzwischen gut auf die Nerven geht und der Hunger immer größer wird. Hunderte Boote an unzähligen Stegen. Wir nehmen den vorletzten Steg und machen ganz außen fest. Schön neben einer 4köpfigen Familie im Miniplattbodenschiff. Die beiden Kinder sind ganz neugierig ob wir wohl wirklich da pennen werden.img_2300Da der Hafenmeister bestimmt auch keinen Überblick hat, machen wir ihn erstmal nicht unnötig auf uns aufmerksam sondern packen unsere drei Wertsachen und suchen Essbares. Dieses finden wir in einer Art Jugendtreff, mit Billard, Kicker und was die jungen Menschen sonst noch so gerne zur Freizeitbeschäftigung benutzen, im Erdgeschoß. So ’ne Art Mc Donald auf niederländisch, mit lekker Frikandel und Pataten. Also schön groote patat met Saus Speciaal sowie einen Cheeseburger vertilgt, dann ’nen kleinen Verdauungsspaziergang und zurück zur schwimmenden Hütte. Dort üben gerade ein paar Jungs im Polyvalken segeln. Ne, die können das schon richtig gut, schippern bei 5 Bft. im 30 m x 40 m Hafenbecken rum, bei Hafenverkehr. Na gut, unter Segeln hat man ja meistens Vorfahrt und gerefft haben die auch. Nach einigen Getränken und Zigaretten dann gut geschlafen. War ’n ganz schöner Trip heute. Route des Tages hier:dag3

Donnerstag, 13.08.2016

Am nächsten Morgen habe ich dann mal versucht mich sinnvoll zu beschäftigen, da der Bäcker wie üblich etwas länger schlief als ich. Also gegen sieben mit etwas Kleingeld zum Supermarkt gewankt. Leider macht der erst halb neun auf. Im Großen und Ganzen ja sinnvoll, für mich jetzt aber blöd, weil der Rückweg auch 20 Minuten dauert und was soll ich dann am Boot? Ohne was Essbares. Also in der Morgensonne auf einer Parkbank geschlummert und auf die Öffnung des Ladens gewartet. Nach einer halben Stunde wurde es langweilig und ich dachte duschen wäre auch keine ganz blöde Idee, also los zur Waschhütte. So einfach wie beim wasserscheuen Captain vor Lemmer war’s dann aber doch nicht, hier braucht man Duschmarken. Fällt mir aber erst auf als ich nackt drunter stehe. Merde, also alles wieder anwerfen und Marken holen, ach so, der Laden wo es die gibt, macht ja erst halb neun auf. Duschen wird überbewertet, lassen wir das. Noch etwas geschlummert, Brötchen geholt, gefrühstückt und dann verlassen wir diesen Freizeitpark. Wenigstens hat uns die Übernachtung nix gekostet. Der Wind ist wirklich nicht unser Freund an diesem Donnerstag, ziemlich böiger Hackwind, im Mittel 4 Bft. aber von 3 bis 5 alles dabei, das macht wenig Spaß. Deshalb erstmal mit Motor zu einer Insel in der Mitte des Heegermeers, das dauert schon ca. eine Stunde, immer wieder gegen diese miesen Kabbelwellen. Das ist hart, teilweise stoppt die Jolle komplett auf, und vor allem nass! Ick maag jetzt och geen waater mehr! Auf der Insel erstmal Kaffee gekocht, leider ist danach auch kein Trinkwasser mehr vorhanden, da haben wir ganz schlecht gehaushaltet, wieso war ich vor 3 h noch in dem Laden? Niet goed! Also mit Bier nachgespült. Gegen Nachmittag reffen wir das Groß in die erste Reffreihe und versuchen gegen Wind und Welle aufzukreuzen. Das geht so mittel, selbst ein 20 m langes Plattbodenschiff läuft mehr Höhe als wir. Da stimmt irgendwas nicht. Irgendwann fängt die Jolle auch noch böse an zu geigen, der Bäcker findet das gar nicht gut und ich natürlich auch nicht. Da haben wir das Reff am Achterliek unfachmännisch befestigt, zu wenig Zug auf dem Baum. Wasser ist alle, wir wollen den Mast nicht zerbrechen, deshalb Garderobe runter und unter Motor in den nächsten Kanal. Dort gibts aber außer Kühen wenig, ok, wussten wir vorher, eigentlich wollten wir nur wissen was Antje, Mareike und Emily im pinken Polyvalken vor uns vorhaben…Unter Motor weiter nach Heeg, dort wird’s was zu trinken geben! Dabei fällt mir immer mehr auf, wie schlecht die BM-Jolle über die Welle geht. Das krasse Gegenteil dazu ist eine 39 Fuß Beneteau, die sich mit dem steilen Steven und ihrem Tonnengewicht wie ein warmes Messer durch die Kabbelwelle schneidet. Das ist beeindruckend! Anyway, anderes Kaliber. In Heeg dann nochmal Wasser gefasst und dabei auch gleich noch Frittenfett rationiert. Natürlich in Form von groote Pataat und Burger. Als Hunger und Durst endlich gestillt waren, ging’s am späten Nachmittag in den Kanal aus dem wir am ersten Tag ins Heegermeer reinfuhren. Nach einigen hundert Metern kommt die erste Marrekritte an deren hintersten Ende genau noch ein Platz für uns frei war. Fest gemacht, baden gegangen. Campingstühle und Angel raus und noch ’n paar Tauwerkspielchen gemacht. Danach bei einem Bier sinniert, warum die anderen Bootsbesatzungen immer auf ihren Kähnen abhängen und jeden Abend um neun schlafen gehen. Nach einer Weile kommt dann der Opa der vor uns liegt auf uns zu und erkundigt sich ob wir auch sicher fest gemacht haben. Natürlich lassen wir uns darauf ein das unter seiner Anleitung nochmal ’n bisschen zu optimieren, obwohl das Boot vorher mindestens genauso sicher lag. Aber wir haben Lust auf ’n bisken Schnack, also wollen wir Opi nicht verärgern. Er macht sich richtig Gedanken um den „Sturm mit Hagel“ den es wohl die kommende Nacht geben soll, laut Radio. Ich nur so: „Et giebt geen Gewitter, nee, nee, glob ick niet…“. Hatte auch echt keine Lust drauf. Sollte wohl von Enkhuizen her kommen, das ist also (jetzt erst) die Front von gestern! Wie auch immer, noch ist’s schön und wir gehen lieber noch ein wenig angeln. Als es dann gegen 1 Uhr doch tierisch zuzieht, ein böiger Wind aufkommt und aus Richtung Heeg Monsterblitze zu sehen sind, mache ich mir doch böse Sorgen. Also fange ich mitten in der Nacht nochmal an auf dem Boot rumzuklettern und die Persenning wenigstens an einigen Stellen fest zu knoten. Bisher konnten wir den Sandsäcken vertrauen, bei Sturm könnte das Ding evtl. wegfliegen. Ich geh‘ noch mehrfach raus, muss noch drei mal pinkeln und treibe den Bäcker damit zur Weißglut. Also wieder versucht zu schlafen, obwohl das Gewitter keine zwei Kilometer mehr entfernt ist. Irgendwann im Halbschlaf fängt es tierisch an zu schütten (vielleicht sogar mit Hagel?), ich denk‘ schon dran aufzustehen und Wache zu schieben, als es nach ca. 2 Minuten wieder aufhört. Das war’s dann auch. Haarscharf an uns vorbeigezogen! Übrigens war’s das seit diesem Morgen auch mit Fotos, der Akku hat trotz sparsamstem Einsatz nicht länger durchgehalten. Das musste ich dem Bäcker leider vorhalten, das er da nicht für ’n Ersatzakku gesorgt hat und der erste auch keine Kapazität hatte. War ja seine Vorbereitungs-Aufgabe. Die einzige übrigens. Die Route der Motoretappe gegen Wind und Welle:dag4

Freitag, 14.08.2015

Der letzte Tag des Urlaubstörns beginnt wieder mit Sonne und entspanntem Kaffee kochen. Wir schlafen beide etwas länger, so wirklich haben wir keine Ziele mehr, außer natürlich die Nußschale in Langweer abzugeben. Erstmal setzen wir ein vernünftig gesetztes Reff ins Großsegel, damit das dann schon erledigt ist, wenn die Segel gesetzt werden sollen. Also kurz vor Mittag los, erstmal mit Motor, dann doch recht schnell auch mit Segeln, da im geschützten Kanal doch eher ein laues Lüftchen wehte. Deshalb dann auch das Reff wieder rausgebunden. Und dann wollten wir richtig mutig sein und unter Segeln in „de Kufurd“ reinfahren. Haben wir auch gemacht. Im Nachhinein haben wir uns dann beide gefragt wie wir das mit der Badestelle vergessen konnten. Natürlich hatten wir beim Einbiegen in das Becken gleich 1-2 Bft. mehr Wind, die Böen wurden auch sofort registriert und zu allem Überfluß machte es ganz schnell wieder das „schlürf“ Geräusch wie Mittwoch Abend. Ich bekam kurz Paranoia, sprang zu den Fallen und wollte das Segelzeug sofort runterholen. Der Bäcker hielt mich aber zurück und meinte, er fahre sofort ins Fahrwasser zurück. Es „schlürfte“ noch 2 Mal, aber ohne das wir wirklich aufgelaufen wären. Das wäre unter Segeln auch nicht so lustig gewesen. Im Prinses Margrietkanaal dann wieder vorschriftsmäßig motort, Richtung Norden um noch etwas anderes zu sehen als den Hinweg in umgekehrter Richtung. Nach ca. einer Seemeile machen wir in einem klitzekleinen Becken neben riesigen Motorbooten fest. Hier wollen wir das Reff wieder einbinden, da mir das kurze Erlebnis von vor 20 Minuten doch zu viel war. Ekelhafter Hackwind von 3-5 Bft. Da sollte man Reffen! Der Bäcker sieht das anders, redet aber auch immer öfter von Gleitjollensegeln. Ich versuche ihm klar zu machen, dass das hier ’n Wanderboot ohne Auftriebskörper und Gleitvermögen ist. Es gelingt auch ihn davon zu überzeugen, dass er seine sportlichen Ambitionen anderswo mit anderem Material ausüben muss, aber ich merke wie ihm die Langeweile zusetzt. Irgendwie ja auch verständlich am fünften Tag. Er geht nochmal baden. Als das „platsch“ des ins-Wasser-springens ertönt, kommt die 10jährige Tochter unseres Vordermannes ans Heck ihres Kahns gerannt und fragt:“Kan jou daar staan?“ Der Bäcker so „Hä?“. Müller zu Bäcker: „Ob Du da stehn kannst?“ Bäcker atmet tief ein, legt den Kopf nach hinten und streckt die Arme in die Luft:“Yo!“ Mareike:“Hoe diep is het daar?“ Ich so:“Eens-neentig“. Dann merken irgendwie alle, dass das Vokabular für mehr nicht ausreicht und Mareike geht wieder Richtung Bug um Vati beim Angeln zu stören.  Anschließend reffen wir noch unser Groß und nehmen mit Motor Kurs auf Langweer, diesmal durch den nördlich von Langweer gelegenen Kanal. Der Bäcker klettert nochmal 4 m hoch in den Mast und spielt ausguck. Jaja, die Langeweile macht sich bemerkbar! Wenigstens hat er vorher gefragt, aber nein hätte ich auch nicht sagen können, das wäre das Ende unserer Freundschaft gewesen. Als wir im Langweerder Wielen ankommen haben wir doch noch Lust zum Segeln, kreuzen 2-3 Mal hart am Wind, das funktioniert trotz böiger Bedingungen ganz gut. Demzufolge mit Rückenwind auf die Atobahnbrücke zu! Das läuft natürlich total entspannt, leider ist der Ritt auch nach gefühlten 3 Minuten zu Ende, sind ja schließlich auch nur 500 m. Dann geht das Geacker wieder los. Hart am Wind ist mit gerefftem Groß irgendwie nicht besonders effektiv, wir haben echt Probleme Höhe zu gewinnen. Außerdem gibt’s auf jedem Schlag mindestens eine Dusche, zumindest für den Vorschoter. Für die 500 m zurück brauchen wir mindestens eine halbe Stunde. Interessant zu beobachten: Eine Familie im Polyvalken begleitet ihren etwa 6jährigen Sohn im Optimisten. Der Kleine schafft es wirklich nicht zu kentern in der halben Stunde in der wir das Treiben beobachten. Respekt! Irgendwann wird die Zeit zur Abgabe dann doch kommen, also holen wir das Segeltuch runter und fahren wieder zurück auf Anfang. Wieder warten wir ungefähr eine Stunde auf irgend jemanden der uns das Boot abnimmt, naja, wir hätten auch gehen können, haben ja weder Kaution noch Dokumente hinterlegt, aber das wäre unangemessen den Gentlemen gegenüber. So viel Vorschussvertrauen sollte man nicht brechen. Außerdem haben wir ja ’ne Weile mit auspacken zu tun. Dann noch schnell ’nen Kaffee geholt, und neues Bier gekauft (Der Bäcker versprach den größten Teil des Rückweges zu fahren, da lehne ich mich doch gern zurück und genieß die Landschaft mit ’nem kühlen Bier). Nachdem ich die 218 € für die fünf Tage Segelspaß und Bootszelten mit einem Lächeln bezahlte, gingen wir noch eine Runde durch die naheliegende Werft mit angeschlossenem Trödelladen. Noch einen kurzen Plausch mit dem Inhaber über BM-Jollen geführt, er zeigt uns noch eine, die im Hafen lag und die wir für 600 € hätten mitnehmen können. Dabei war aber auf den ersten Blick zu erkennen, dass sie das nicht wert ist, unter dem Deck war ziemlich viel Bauschaum versprüht wurden, das sah wirklich böse aus, da will man das Unterwasserschiff gar nicht erst sehen. Also ab ins Auto und auf nach Münster, wo wir bei des Bäckers Schwester einen Übernachtungsstopp einlegen werden. Der Reiseverlauf des letzten Tages:dag5

Fazit:

Weil’s schon mehr als 6000 Wörter geworden sind, in stichpunktartiger Form:

  • Gelungener Urlaub! Ick maag de Nederlanden! Mooie buurt!
  • Ijsselmeertrip erfolgreich durchgezogen.
  • Ausweichmanöver des letzten Augenblicks immer nach Steuerbord!
  • Karten besser studieren! Schon zu Hause, nicht erst im Boot.
  • Reffen muss noch gelernt werden, heisst ordentliches Reff binden um akzeptables Segelprofil zu erhalten.
  • „Vergeten is breeken“ und „Ick maag geen waater“ werden unauslöschliche Zitate bleiben.
  • BM-Jolle ist ’n schönes Museumsboot, bald sind die alle weg, zumindest die mit Polyesterrumpf.
  • Ich würd mir schon gerne eins zulegen, habe aber weder genug Zeit, noch den benötigten Unterstellplatz, die ca. 1200 € jährlicher Liege- und Unterstellgebühren wirken sehr abschreckend. Also bleibt es vorerst ein weiterer Traum.
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