Nach dem ganzen Hin und Her mit der Zulassung des Bootstrailers war es kurz vor Weihnachten 2016 nun endlich so weit das ich die Fuhre aus Groningen abholen konnte. Wobei der größte Anteil am gelungenen Bootskauf wohl Jeen zukommt, der die Flytour aus Maasbommel abholte, insgesamt zwei Trailer für das Boot baute, sich um die TÜV-Abnahme gekümmert hat und dazu noch freundlich und gelassen blieb. Respekt und Chapeau für diese Leistung! Da Jeen so großen Anteil an meinem Bootserwerb hatte und Weihnachten vor der Tür stand, habe ich noch einen Kasten Pilsner Urquell und zwei Stollen eingepackt.

Ich hatte natürlich wieder wenig Lust, die Strecke alleine zurückzulegen, also rief ich Anfang Dezember beim Bäcker in Leipzig an und fragte, ob er nach dem Probetörn 2015 und der Bootsbesichtigung im Juli nochmal mit mir ins Nachbarland fahren würde. Obwohl er im Gegensatz zu mir kein ausgewiesener Niederlandefreund ist, musste er nicht lange überlegen, mein Vorschoter war mal wieder dabei. Also Übernachtung (Jongerenhotel Groningen) vom 20 bis 21 Dezember gebucht, vollgetankt und nach der Arbeit nach Leipzig gefahren um den Bäcker einzuladen. Kein Schnee, knapp über 0 Grad, kein Regen, entspannte Fahrt. Gegen 0 Uhr waren wir in der Innenstadt Groningens, Parkhaus neben dem Hostel, Plastiktüte mit Zahnbürsten gepackt und eingecheckt. Dabei die erste Überraschung erlebt, der Typ an der Rezeption fing gleich an mit „Ah, Mr. Miller, you’re from germany, so I suggest that you don’t speak any german when I’m around, I don’t like it…“. Da ist mir gleich die Spucke im Hals stecken geblieben, der Bäckersjunge war da doch deutlich schlagfertiger und nuschelte sich ein „Yeah, and we don’t like to pay…“ in den Bart. Als dann noch, „ah, you’re from Dresden, the city in fire…“ aus diesem Trottel rauskam, war der Typ auch für mich erledigt. Kann man aber auch nicht viel machen, ins Zimmer kacken bringt ja auch nichts, weil das andere wegmachen würden. Naja, Charakter heißt in diesem Fall runterschlucken und weitermachen. Ich war ja nicht wegen dieses Arschs im Land.

Nach der Zimmerbesichtigung

nochmal raus in die Stadt, kurz vor eins, da musste es doch noch ’n Absacker geben. Diese Niederlande sind schon beeindruckend, kein Schwein hat ’n Fahrradhelm, selbst Mofas werden ohne Kopfschutz bewegt, auf jedem 10ten Fahrrad sitzt hinten ’n Mädel quer auf dem Gepäckträger, keine Autos in der Innenstadt, überall Kanäle, am einen Ufer wird reingekotzt, am anderen gepisst, Weihnachtsbäume und Weihnachtsschmuck sieht man auch so gut wie nicht… Als wir den ersten Obdachlosen trafen, schnorrte der uns englisch an und bot den deal „Witz gegen Kleingeld“ an. Ok, ’n Euro locker gemacht… What is the difference between the Dubai and Abu Dhabi? In Dubai they don’t watch the Flintstones… but Abu Dhabi do!…Danach hat er noch ’n Witz auf deutsch zum Besten gehalten (Inhalt hab ich vergessen) und des Bäckers Bier halb ausgetrunken. Wir dann weiter am Kanal entlang geschlendert.

Bald darauf flackerte uns das Premier League Spiel Liverpool-Everton aus einer Sportkneipe entgegen, also noch schnell eine geraucht und rein für die letzte halbe Stunde. Der Bäcker prophezeite noch ein 1:0 in der 93ten Minute, aber auf solche Wetten geh‘ ich nicht mehr ein. Was will man dazu für ’nen Einsatz stellen? 1:100? Der fairness halber drauf verzichtet. Das Bier war zwar nicht besonders, schlecht aber auch nicht und auf die Frage nach Steichhölzern wurde mir ein Feuerzeug geschenkt, das ist wieder dieses Niederlande-Gefühl. Super intensives Spiel, in dem Liverpool die letzten 30 Minuten voll auf Sieg spielte und auch in der 89 Minute durch ’nen Ping-Pong-Tor 1:0 gewinnt, der Bäcker freut sich über seine Fußballkompetenz, ich auch. Uns reicht’s erstmal, morgen früh 10 Uhr frühstücken, ich neige zur Planung, schließlich sind wir ja nicht zum Spaß hier hin gefahren sondern haben Geschäfte zu tätigen. Also zurück in Verließ. Hoch, Kräuterzigarette gebaut, runter auf den Hof, wieder am Gefängniswärter vorbei, Bier geleert und Zigarette geraucht, völlig groggy wieder auf’s Zimmer gefallen. Dort dann noch das allerletzte Bier geteilt, Zähnchen geputzt und die Heizung volle Pulle angemacht. Der Bäcker zu meinem Unmut auch die Mugge aus seinem Telefönchen auf 45 dezibel gedreht. Ich musste ihn dann doch irgendwann verärgert anplärren, er solle das abstellen und besser den Wecker einrichten, auf 10 Uhr. Ich glaube er wollte mich bewusst verärgern. Macht ihm manchmal Spaß. Gegen drei Uhr früh werde ich wach, weil mir tierisch heiß ist, mein Mund vollkommen ausgetrocknet ist und der Bäcker wie von der Tarantel gestochen aufspringt, um die Heizung abzudrehen und das Fenster zu öffnen. Ja, das hatten wir verpeilt, die stand noch auf fünf. Am nächten Morgen wird er mich fragen, ob ich auch von Kanibalen, die uns im Kochtopf schmorten, träumte. So isser, immer ’ne Metapher im Gehirn.

Runter zum Frühstück. Natürlich so schlecht wie erwartet, Toast, ungetoastet, wahlweise mit Kochschinken oder Scheibenkäse zu belegen. Ok, Müsli stand auch noch irgendwo rum. Hinter der Durchreiche in den Küchentrakt steht ein 1,95 m großer Glatzennazi, so ’ne Art Jaap Stam-Verschnitt, und wäscht Geschirr ab. Der Bäcker vermisst irgendeine Zutat, ich glaube Milch, und versucht Jaap anzuquatschen: „Mister?“ Keine Antwort. Nochma richtig laut: „MISTER?“ Keine Reaktion, der ignoriert uns. Kurz bevor der Bäcker durchdreht und in ’ne Beleidigungslitanei verfällt, kommt ’n Schwarzer vorbei und fragt uns mit ’nem Lächeln was wir wollen, Jaap wäre immer sehr konzentriert wenn er angefangen hätte zu arbeiten und hörte dann nichts mehr…Jaja, ich glaube der einzig freundliche Typ in dem Laden wollte uns nur vor ’ner Ladung Kloppe bewahren. Good man! Nach dem Frühstück nichts wie weg!

Da ja bald Weihnachten ist sind wir dann erstmal in ’n Albert Hein (Edeka für Niederländer) getaumelt und haben uns mit Pindakaas, Stroopwafels, Hagelslag und Chocomel eingedeckt. Mitbringsel für die Damen zu Hause und die Nachbarschaft. Danach ab zum Museum, Bildband für Weihnachten besorgt, da freut sich auch Madame, hoffe ich zumindest. Inzwischen ist’s dann auch schon ein Uhr und so langsam wird’s Zeit sich zu Jeen aufzumachen, also weiter.

Jeen’s Bude dann kurz vor vier erreicht, er residiert in einem schmucklosen Gewerbegebiet, wohnt wohl auch über seinen heiligen Manufakturhallen. Zur allgemeinen Überrascchung spricht er sogar ziemlich perfektes Deutsch. Macht’s noch einfacher. Irgendwie scheint er sich auch zu freuen das ich endlich vorbeikomme um die Fuhre abzuholen, erklärt bestimmt eine Stunde lang jedes Detail des Hängers, warum er mit dem ersten nicht zufrieden war, zeigt uns seine Skizzen von Unterwasserschiffen der BM-Jolle, des Polyvalken und der Flytour und erklärt aufgrund des deutlich achterlicheren Flytour-Kiels die Notwendigkeiten einen anderen Hänger zu bauen. Im Großen und Ganzen muss festgehalten werden, dass es eine super Idee war Ihn das Boot holen zu lassen und den Hänger dann neu zu bauen. Hätte sonst wahrscheinlich ’ne böse Überraschung beim ersten Slippen gegeben. Irgendwann fingen wir dann an den Kofferraum zu beladen, die Zubehöre des Bootes zu verstauen und zu sichten, Jeen den Kasten Pilsner Urquell und den Stollen zu überreichen. Schließlich kam auch noch sein Schwiegervater mit seinem Sohn runter, irgendwie wollten die alle mal Duitsers kijken, hatte ich das Gefühl. Jeen meinte noch die Flytour wäre ein „kluges Boot“, gab uns noch eine Sperrholzplatte zur Erneuerung der Außenborderhalterung und einen halben Liter Epifanes Bootslack mit. Nach den Erfahrungen mit Pieter jetzt also schon der zweite Niederländer der ungefragt irgendwelche Geschenke in meinen Kofferraum wirft. Als wenn die einem ’n schlechtes Gewissen machen wollen…

Das schlechte Gewissen stellt sich dann tatsächlich ein, als ich Ihm den fälligen Betrag überweisen möchte. Habe meine TAN-Liste dabei, aber die Überweisung wird von meiner Bank (Sparda-Bank) nicht akzeptiert, Fehler irgendwas. Schlußendlich meint Jeen, ich solle das Boot mal nach Hause bringen und dann morgen von dort aus überweisen. Gentleman-like. Machte mir bisschen schlechtes Gewissen, ich wies Ihn auch darauf hin, dass er das Geld im Todesfall (Autobahnunfall oder so) von meiner Witwe eintreiben müsste. Nee, nich lustig!

Also mit gutem Gefühl ab nach Hause, erstmal mit den empfohlenen 80-90 km/h. Lief echt entspannt, dafür das ich bis jetzt noch nie mit Anhänger gefahren bin. Im Laufe der Zeit habe ich dann beim Überholen von LKW’s doch etwas mehr drauf gedrückt, einmal waren knapp 120 km/h auf der Navianzeige, also Realgeschwindigkeit. Kein Zappeln, Schlingern, Nichts! Läuft wirklich wie ’ne Eins! Bis auf ’ne Stunde sinnlos-Verfahren in Magdeburg wegen drei Großbaustellen aber alles ohne irgendwelche Besonderheiten. Gut das ich inzwischen, nach der Gasprüfung und dem Austausch eines Tanks, wieder Erdgas tanken kann. Mit dem 11 Liter fassenden Benzin-Nottank wäre ich bestimmt verrückt geworden bei der Strecke.

In Magdeburg noch ’n Tankstellenfoto gemacht.IMG_2575

Den Bäcker dann kurz nach 12 in Leipzig abgesetzt, die letzten 100 km alleine durchgehalten, den Hänger samt Boot bei Vaddern auf’m Dorf vor’m Grundstück abgestellt, auf der Terrasse noch schnell ’n Feierabendbier gezischt und nix wie inne Heia.

 

 

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