Hier wird die Geschichte vom Trailerbau erzählt, natürlich hängt die eng mit der Kommunikation mit dem Vorbesitzer Pieter und dem Zulassungsbehördenwirrwarr zusammen.

In den ca. 3 Jahren der Recherche zu BM-Jollen fand ich Jeen’s Internetauftritt und die beiden hier verlinkten Youtube-Videos. Um auf ständiges Kranen und den doch recht teuren Wasserliegeplatz inklusive der jährlichen Antifoulingbehandlung verzichten zu können, war es relativ schnell klar, dass das Projekt des eigenen Bootes nur mittels Sliptrailer umsetzbar sein würde. Hier gab es allerdings einen Zielkonflikt zwischen stabilem Familienboot mit Festkiel und dadurch relativ geräumigem Cockpit und der Slipbarkeit des gewählten Bootes. Jeen hatte damit offensichtlich Erfahrungen und nach langem Überlegen und der Erkenntnis, dass er der Einzige ist, der derzeit solche Trailer baut, entschied ich mich dazu Jeen mit dem Bau zu beauftragen.

Die Kosten für den Sliptrailer sollten ca. 2600 € inklusive MwSt betragen, klingt erstmal fair, Herstellungszeit ca. 6 Wochen, ich ging also davon aus das Boot im Spätsommer abholen zu können und im Herbst noch ein paar Stunden zu segeln. Natürlich war mir die Problematik mit der Zulassung des Trailers nicht unbekannt, deshalb fragte ich Jeen ob er Erfahrungen mit dem Verkauf nach Deutschland und den Regularien hat. Seine Antwort klang erstmal gut: „Der Trailer bekommt eine Zulassung durch den RDW (niederländische Zulassungsbehörde), damit ist die Zulassung in D kein Problem. Soweit die Theorie!

Nach 6 Wochen war der Trailer tatsächlich fertig, Jeen schickte mir schöne, vielversprechende Fotos vom Baustatus und scans der Zulassungsdokumente.

Als ich diese ausdruckte und zur Zulassungsbehörde fuhr, empfahlen mir die dortigen Damen kein grünes Überführungskennzeichen zu beantragen, da die Zulassung ohne CoC (Certificate of conformity) nicht möglich sei. Der ganze Hickhack mit der Zulassung hier Zulassungsbehördenwirrwarr.

Also sagte ich telefonisch die Abholung bei Pieter ab und rief Jeen an. Dieser war leicht verwundert und sagte er würde sich bei der RDW erkundigen und zurückrufen. Das tat er auch und meinte der Beamte in NL hätte ihm versichert das die niederländische Zulassung innerhalb Europas zu akzeptieren wäre und die deutschen Behörden das anerkennen müssten. Sie könnten sich das Originaldokument nach einem Rückruf zusenden lassen und damit die Prüfvorschriften einsehen.

Inzwischen hatte ich mir die europäische Richtlinie für Fahrzeuggenehmigungen (Link zur Verordnung über die EG-Genehmigung für Kraftfahrzeuge und ihre Anhänger) ausgedruckt und studiert, dort steht im Prinzip dasselbe drin, solange kein begründeter Verdacht auf Abweichungen von nationalen Verordnungen besteht ,wäre eine Anerkennung der Zulassung eines anderen EU-Staates bindend.

Leider interessierte sich in der Dresdner Behörde niemand dafür. Als ich mit den Dokumenten drei Tage später wieder dort auftauchte, wurde auf nationales Recht verwiesen („Das ist ein Holländisches Zulassungsdokument, interessiert uns nicht, wir erkennen nur TÜV-Vollabnahmen oder CoC Dokumente an“). Als ich darauf verwies, das CoC-Dokumente bei Einzelanfertigungen nicht angefertigt werden und die EU-Verordnung bindend sei, kam die lapidare Aussage: „Wir sind hier in Deutschland, interessiert uns nicht.“ Pegidaland lässt grüßen!

Was tun? Jeen anrufen und den Abholtermin endgültig absagen. Danach recherchiert und rumtelefoniert. Beim TÜV-Nord angerufen und mich nach der Möglichkeit erkundigt, in Groningen eine deutsche TÜV-Vollabnahme durchzuführen.Das alles dauerte aber so lange, das es voll auf Herbst zu ging und Pieter natürlich das Boot aus dem Wasser holen musste. In einem Telefonat mit Jeen fragte er mich: „Tell me, Glenn, why are you keen on getting the boat (and the trailer) so fast?“ Als ich antwortete, dass das Boot aus dem Wasser müsste und zwar in 2-3 Wochen, antwortete er: „Let me make you an offer: I drive to Nijmegen, get your boat and bring it to my company. Then we have enough time to handle all this difficulties and no one of us has sleepless nights! Let me tell you, that time pressure is killing us completely, we get sleepless nights and heart attacks from it. So no one of us has an advantage of it.“ Wie Recht er doch hat, dachte ich mir. Und da Jeen mit diesen Worten bei mir natürlich offene Türen eintrat, stimmte ich dem zu. Er wollte sich die 400 km Fahrt und den Arbeitstag noch nicht einmal bezahlen lassen. Das hab‘ ich natürlich nicht akzeptiert. Damit wäre ja sein ganzer Gewinn weg gewesen und wir müssen doch alle hungrige Mäuler stopfen!

Also holte er die Flytour nach Groningen, machte ein Foto vor seiner Firma und ging schlafen.

Zwei Tage später hatte ich eine Email von Ihm im Posteingang:“Hallo Glenn, ich denke ich muss Dir einen neuen Trailer bauen. Je länger ich mir das anschaue (Boot auf Trailer), desto mehr komme ich zu dem Schluss das das so nicht funktionieren wird. Fahren geht super, aber ob slippen geht bezweifle ich. Ich mache Dir den Vorschlag Dir einen neuen Trailer, genau für Dein Boot passend zu bauen. Der Preis bleibt der gleiche, es dauert eben nur 6 Wochen ab jetzt. Sag mir bitte was Du davon hälst…“ Natürlich konnte ich seiner Expertise nichts entgegensetzen, ich wollte ja ’nen funktionierenden Sliptrailer haben. Also warten.

Als der neue Trailer dann nach ca. 6 Wochen fertig war machte Jeen den Termin mit einem niederländischen TÜV Mitarbeiter zur Einzelabnahme des Trailers klar, Kosten ca. 250 €. Natürlich bekam der Trailer die Zulassungsunterlagen direkt ausgestellt.

Damit habe ich mir dann die Papiere und das Nummernschild geholt, da Bootstrailer zulassungsfrei sind, hätte ich wohl auch nur den TÜV-Bericht als Papier nutzen können. Bei der Gegenüberstellung der einzelnen Abnahmepositionen stellte ich keine inhaltliche Abweichung fest. Der ganze Administrationswahnsinn ist einfach nur pervers. Da braucht man sich über die Mafia nicht lustig zu machen. Ich habe das in einer eigenen Geschichte zusammengefasst.

Danach dann am 21.12.2016, dem kürzesten Tag des Jahres nach Groningen gefahren, das Boot auf seinem Trailer abgeholt und Jeen die Hand geschüttelt. Danke Jeen! Good deal between gentlemen!

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