Das es nicht gänzlich unproblematisch ist, einen niederländischen Bootsanhänger in Deutschland zuzulassen, war mir aus mehreren Foren bekannt. Da es sich allerdings um einen Neubau handelte, versuchte ich es trotzdem.
Als Erstes vergewisserte ich mich natürlich, bevor ich das Gerät in Auftrag gab, beim Hersteller, ob er denn Erfahrungen mit dem Export nach Deutschland habe. Die Antwort war „Nein, aber ich werde eine Einzelabnahme bei der niederländischen Verkehrsbehörde durchführen lassen, dann ist das kein Problem, den Anhänger in Deutschland zuzulassen“. Soweit, so gut.
Also wurde der Hänger gebaut, beim RDW (ndl. Verkehrsbehörde) nach EU-Richtlinie 2007/46/EG geprüft und zugelassen. Die Dokumente scannte mir der Hersteller dann ein und ich ging damit zur Zulassungsbehörde.

Dort sagte mir die zuständige Dame (Import von Fahrzeugen) dass Sie mir zwar ein Kurzzeitkennzeichen aushändigen könnte, die Zulassung mit diesen Dokumenten aber nicht möglich sei, da ein CoC (Certificate of Conformity) fehle. Wenn es dieses Dokument nicht gebe, müsse ich eine Einzelabnahme bei TÜV oder Dekra durchführen lassen, die ziemlich teuer wäre und dann bestünde noch das Risiko, dass der Hänger von TÜV/Dekra nicht abgenommen wird, aufgrund fehlender Konformität mit deutschen Regelungen.

Das führte dazu, dass ich den vorher gebuchten, 2 Wochen gültigen Gastliegeplatz am Hainer See bei Leipzig verfallen lassen musste und der Termin zur Abholung von Hänger und Boot platzte. Glücklicherweise hatte Pieter das Boot am Freitagmorgen noch nicht zum Kran gefahren, sodass zumindest für Ihn keine besonderen Unannehmlichkeiten entstanden. Da hatte ich also alles penibel vorbereitet, Termine zur Abholung des Hängers und des Bootes vereinbart, Versicherungsschutz für den Hänger und einen Gastliegeplatz für das Boot organisiert, dafür noch ein Bootskennzeichen besorgt, und dann platzt alles wegen der Zulassung.
Ich fuhr dann, nachdem ich telefonisch Pieter und Jeen informierte, sehr frustiert zur nahegelegenen Dekra-Geschäftsstelle. Der Dekramensch dort schaute sich die Papiere an und meinte die Einzelabnahme für den Hänger wird ca. 80 € plus X kosten. Das war schonmal nicht „ziemlich teuer“!

Trotzdem hatte ich wenig Lust den Hänger auf eigenes Risiko zu holen und dann darauf noch das Boot zu transportieren. Vielmehr sollte der Hänger bereits zugelassen sein, was scheinbar ja nur mit CoC Dokument möglich wäre. Als ich mit Jeen darüber sprach, meinte er, er habe bei der niederländischen Zulassungsbehörde nachgefragt und die meinten, das Fahrzeug müsse mit der niederländischen Einzelabnahme zugelassen werden, die deutsche Behörde könne das Dokument digital aus den Niederlanden anfordern und einer Zulassung stehe, wegen EU-Verbindlichem Recht, nichts im Wege. Dieses Vorgehen wird nur leider ziemlich selten durchgeführt. Um persönlich mehr Einblick in das Verfahren zu bekommen, lud ich mir die EU-Verordnung 2007/46/EG aus dem Internet runter, druckte die 265 Seiten aus und beschäftigte mich ein Wochenende lang mit der Lektüre.Fazit:

„Artikel 1: Gegenstand

Diese Richtlinie schafft einen harmonisierten Rahmen mit den Verwaltungsvorschriften und allgemeinen technischen Anforderungen für die Genehmigung aller in ihren Geltungsbereich fallenden Neufahrzeuge und der zur Verwendung in diesen Fahrzeugen bestimmten Systeme, Bauteile und selbstständigen technischen Einheiten; damit sollen ihre Zulassung, ihr Verkauf und ihre Inbetriebnahme in der Gemeinschaft erleichtert werden.“
„Artikel 4: Mitgliedsstaaten
Die Mitgliedstaaten dürfen die Zulassung, den Verkauf, die Inbetriebnahme oder die Teilnahme am Straßenverkehr von Fahrzeugen, Bauteilen oder selbstständigen technischen Einheiten nicht unter Verweis auf die von dieser Richtlinie erfassten Aspekte des Baus oder der Wirkungsweise untersagen, beschränken oder behindern, wenn diese den Anforderungen dieser Richtlinie entsprechen.“

Unter „Einzelgenehmigungen“ steht dann Folgendes:

„Auf Antrag des Herstellers oder des Besitzers des Fahrzeugs
erteilen die Mitgliedstaaten für ein Fahrzeug, das den Bestimmungen
dieser Richtlinie und den jeweiligen in Anhang IV oder Anhang XI
aufgeführten Rechtsakten entspricht, eine Einzelgenehmigung.
Die Mitgliedstaaten erkennen in diesem Fall die Einzelgenehmigung an
und gestatten den Verkauf, die Zulassung und das Inverkehrbringen des
Fahrzeugs.“
Es kann also festgehalten werden, dass mit der Einzelgenehmigung die der RDW ausstellte eine Zulassung in Deutschland rechtlich verpflichtend ist. Außer die Genehmigungsbehörde hat BEGRÜNDETE ZWEIFEL an der Durchführung der Einzelgehmigung.
Leider hat das in der sächsischen Hauptstadt niemanden interessiert. Es wurde schlichtweg behauptet das nur der TÜV bzw. die DEKRA befugt wären Einzelabnahmen durchzuführen. Das ist falsch und Rechtsbruch. Aber wer will schon dagegen klagen? Ich nicht.
Also Beim TÜV-Nord einen niederländischen Ansprechpartner für Jeen ausfindig gemacht und durch den TÜV eine „deutsche“ Einzelabnahme des Trailers veranlasst.
Das Ergebnis ist hier zu finden:
Ich habe die Abweichungen bzw. Übereinstimmungen der deutschen und niederländischen Einzelabnahmen mal gegenübergestellt. Ergebnis:
Die Niederländer haben natürlich die Nummernschildanbringung nicht geprüft, da Anhänger in NL keine eigenen Nummernschilder benötigen. Rückfahrscheinwerfer wurden auch nicht geprüft, ist in NL keine Pflicht, sind aber vorhanden. Dafür beinhaltet der TÜV-Bericht keine Spritzschutzprüfung.
Alle zulassungsrelevanten Daten für die Erstellung des Fahrzeugscheins sind auch im RDW-Genehmigungsdokument beinhaltet.
Pure Schikane! Danke Sachsen-Beamte!
Trotzdem haben Jeen und ich damit einen Weg beschritten, der für Bootsanhänger wohl der einfachste sein müsste: Anhänger durch den TÜV im jeweiligen Herstellungsland abnehmen lassen und damit zulassen. Prinzipiell steht m. M. n. der Rechtsweg mit jeweiliger nationaler Einzelgenehmigung offen, darauf muss man allerdings Lust haben. Vielleicht reicht es aus beim Zulassungsbehördenleiter mit Anwalt vorstellig zu werden, ob das billiger ist, keine Ahnung.
Die Kosten für die TÜV-Einzelabnahme in NL betrugen 280 €. Haben Jeen und ich uns geteilt.
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