Der Mast war wohl eine der offensichtlichsten bzw. nötigsten Baustellen um die Flytour wieder in einen guten Zustand zu bringen. Dabei waren Lackabplatzungen, schwarz verfärbte Stellen im Holz, der schief montierte Lümmelbeschlag, eine übel aussehender Mastkopf und das doch relativ unschöne Scheuerrohr aus grauem PVC die Hauptgründe für die Erneuerungsarbeiten. Siehe hier, Bestandsaufnahme:

Mast0

Relativ zügig entschied ich mich dafür den Mast komplett abzuziehen und mit Le Tonkinois Bootsöl wieder in neuem Glanz erscheinen zu lassen. Irgendwie war mir aufgrund der Erfahrungen mit dem heimischen Dielenfußboden Öl sympathischer als ein Lackprodukt. Die Vorteile sind m. M. n. das tiefere Eindringen der Öls ins Holz, eine bessere Haptik und in diesem Falle auch noch der komplette Verzicht auf chemische Zusätze. Das man jeden Winter eine neue Schicht Öl auftragen sollte halte ich für selbstverständlich, wäre bei Lackprodukten wohl auch nicht wirklich zu verhindern, ansonsten sieht’s eben so aus wie oben gezeigt. Der Mastfuss sollte bei der Gelegenheit auch gleich überholt werden, die Klampen ab, weil im Cockpit besser aufgehoben, das Gesamtbild sollte ja am Ende auch stimmen. Natürlich wurde der Mastfuss nicht geölt, da er ja fest und optisch mit dem Deck verbunden ist und deshalb, wie das Deck, lackiert werden würde. Gaffel und Baum wollte ich eigentlich auf das nächste Jahr verschieben, im Laufe der Ölungen entschied ich mich allerdings dazu das gleich mit zu machen, da ich ja sowieso in regelmäßigen Intervallen die 25 km von zu Hause in die Scheune fahren musste. Eins nach dem anderen:

Mast restaurieren

Zuerst wurden alle Anbauteile entfernt, dabei wurde sofort klar, dass auch der Mastkopf gründlich überarbeitet werden muss.

Mast1
Mast-Baustellen

Die ursprünglichen Stahlwanten werden natürlich auch ersetzt, ob wieder Stahl oder Dyneema war ein langer Hin- und Herüberlegeprozeß.

Dazu also später, erstmal hieß es: Schleifen, schleifen, schleifen!

Dazu wurde ein Exzenterschleifer benutzt, das ging prinzipiell ganz gut, allerdings lösten sich in viel zu kurzen Intervallen die Schleifpads von der Klettplatte.

Mast-schleifen_res
Schleifen, Schleifen, Schleifen…

An einem Tag, wie es geplant war, habe ich den Mast nicht geschliffen bekommen, nach 8 Stunden Nettoschleifzeit und tauben Unterarmen fuhr ich erstmal nach Hause um neue Kraft zu tanken. Insgesamt schliff ich bestimmt 11 Stunden, Netto! Aber gut, da musste auch ca. 1 mm Lack runter. Danach gings um den Wiederaufbau, als erstes der Mastkopf:

Mastkopf
Versiegelung des Mastkopfes mit 4 Lagen Glas-Epoxy-Gewebe

Als nächstes wurde dann der Mast geölt, angeschliffen, wieder geölt, angeschliffen, nochmal geölt und so weiter und so fort.

Der erste Ölauftrag war wirklich bemerkenswert. Das Hol saugte das Öl regelrecht auf und färbte wunderbar rötlich ein. In dem Moment wusste ich das Ölen die bestmöglichste Wahl war.

Mast-Lack1
Erste Schicht Le Tonkinois – Halber Umfang geölt

Insgesamt habe ich 8 Schichten Le Tonkinois Bootsöl draufgepinselt. Zwischengeschliffen wurde immer mit einer Schleifmatte 600er Feinheit. Das Öl wurde immer mit Balsamterpentinöl verdünnt aufgetragen. Am Anfang ca. 50 % Öl und 50 % Balsamterpentinöl, den Verdünnungsgrad von Schicht zu Schicht etwas verringert, die letzte Schicht mit ca. 80 % Öl und 20 % Verdünnung.

Der Mastkopfbeschlag wurde in der Zwischenzeit (immer wieder schön sind die Aufgaben die man zu Hause, ohne den doch nervigen Arbeitsweg zurücklegen zu müssen, erledigen kann) sandgestrahlt und mit Hammerit-Lack schwarz gestrichen. Weiterhin ausreichend Schaekel besorgt um alle Blöcke befestigen zu können und dabei die Blöcke, die nicht aus Hartgewebe sind, durch ebensolche ersetzt.

Mastkopfbeschlag
Aus alt mach neu – Mastkopfbeschlag

Der verbogene Bolzen, an dem sich die ganze Bootskaufentscheidung letztenendes aufgehängt hat, wurde zielsicher in den Mülleimer geworfen und durch einen passenden ersetzt. Weil das alles so super lief, habe ich noch alle Bohrungslöscher der alten Klampen mit Epoxydharz versiegelt, den alten Lack des Mastfusses abgeschliffen und alles mit Epifanes Klarlack 4 mal neu lackiert. Schliesslich wurden die Innenflächen des Mastfusses noch mit einer Gummimatte beklebt, um zumindest die gröbsten Reibungskratzer beim Mastlegen und -stellen zu verhindern. Sieht jetzt so aus:

DSC_0122_res
Mastfuß mit gelegtem Mast

Blieb noch die letzte Mastbaustelle: Einen Scheuerschutz der Gaffelklau am Mast zu realisieren. Die bisher benutzte Lösung aus PVC war auf Grund der Hässlichkeit keine Option mehr. Da sowieso einige Teile in Hartgewebe (Novotex/Tufnol) ausgeführt werden sollten, versuchte ich mal den Scheuerschutz daraus herzustellen. Einfach war das nicht, da selbst ein nur 1 mm starkes „Blech“ ziemlich biegesteif ist und sich deshalb nur schwerlich um den Mast wickeln lässt. Deshalb habe ich es sozusagen vorgebogen, indem ich das zugeschnittene Hartgewebeblech vorher um ein Abflussrohr wickelte und dort eine Woche verspannte. Das gab dem Ganzen eine gewisse Vorprägung und ermöglichte die Umwicklung des Mastes. Verklebt wurde das Ganze mit Sikaflex am Mast, fixiert zum Aushärten mit 10 m Tauwerk. Im Prinzip hat das zwar funktioniert, aber die Position passt leider überhaupt nicht. Keine Ahnung warum das PVC Ding so hoch verklebt war, ist auf jeden Fall 80 cm zu hoch. Das heißt irgendwann alles nochmal neu, ich weiß ja jetzt wenigstens wie vorzugehen ist.

Wanten und Fallen

Prinzipiell hatte ich drei Möglichkeiten für die gestaltung des stehenden Gutes.

  1. Die alten Stahlwanten wieder anbauen (naja, wär eben die billigste Lösung gewesen)
  2. Neue Stahlwanten zu beschaffen und fachmännisch Kauschen einpressen lassen
  3. Neue Dyneemawanten zu besorgen und diese selbst zu spleißen

Am Ende entschied ich mich nach langem Hin und Her für die Dyneema-Lösung! Die Beschädigungsgefahr für den Mast (Lackschäden) und die Verletzungsgefahr beim Festhalten durch gebrochene Litzen ist bei Dyneema einfach nicht da. Kostenmäßig nimmt sich das nichts zur Stahlvariante und es war auch nicht gerade einfach eine fachmännische Herstellung der Kauschen mit Stahldraht durchführen zu lassen. Am Ende habe ich zwar EINEN Betrieb in Dresden finden können, der mir die Stahlwant um eine Kausch gelegt hätte, aber auch nicht für umsonst und eine nachträgliche Verkürzung wäre auch nicht möglich gewesen. Da könnte man jetzt fragen „warum auch?“ Deshalb:

Ich entschied mich also für Dyneema (6 mm stark, gelb, Farbkonzept, 🙂 ) und die Kauschenloesung mit Augspleiss. Dazu habe ich die Mastlänge gemessen, den Anschlagpunkt des Mastbozens im Mast und im Mastfuss, die Anschlagpunkte der Wanten und des Vorstags und dann mittels Trigonometrischer Gleichungen die Wantenlaenge bestimmt. Zu Hause dann die Lauschen auf die bestimmte Position gespleisst. Am übernächsten Tag sollte es zur Jungfernfahrt gehen, deshalb am nächsten Tag wieder zum Boot und alles montieren. Dabei habe ich relativ schnell schlechte Laune bekommen, alle Wanten waren zu lang! Natürlich! Wenn ich messe ist das irgendwie immer mehr oder weniger schätzen. Steuerbord 12 cm, Backbord 17 cm, Vorstag 9 cm. So, und jetzt? Wieder nach Hause, pro Want einen Augspleiss geöffnet und die erforderliche Länge abgezogen und einen neuen Spleiss hergestellt. Und genau das wäre bei der Stahlvariante nicht so einfach geworden. Lustigerweise passte es jetzt andersrum nicht, alles war 2 cm zu kurz, was jedoch durch je einen Schaekel an Backbord und einen an Steuerbord „kompensiert“ wurde… Naja, gut das ich Ingenieur und kein Handwerker geworden bin. Jetzt sitzen die gelben Dyneemawanten auf jeden Fall recht gut, haben sich ein wenig gereckt und irgendwann werde ich die Wanden ohne die Kompensationsschaekel anschlagen können. Ich finde das Rigg sieht selbst von Weitem ziemlich gut aus.

IMG_3043
Das erste mal aufgeriggt am Hainer See

Der Mast übrigens auch:

Mast fertig_res
Hochglanzholzmast, jammi…

Hoffentlich hält das so gut wie es aussieht…

Der Vollständigkeit halber noch ein paar Fotos des komplett erneuerten Mastkopfbeschlags mit allen Fallen, Wanten und Blöcken. Dabei wurde in die obere Stirnfläche des Mastes noch ein Insert mit M8 Innengewinde eingeschraubt, daran wird die Warnflagge beim trailern des Boots, bzw. eine rot LED wenns dunkel ist und beim Segeln der gelbe Verklicker angebracht.

DSC_0118 (2)_res
Fertiger Mastkopfbeschlag mit schwarz-gelbem Wanten-Fallen-Konzept

 

 

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