Für das zweite Augustwochenende hatte ich mir wieder in den Kopf gesetzt, das Boot zu benutzen. Eigentlich mit Übernachtung, aber das Wetter war nur für Sonntag gewillt da mitzuspielen, also keinen Stress, eben nur einen Tagesausflug eingeplant. Um nicht arg so spät am See zu sein, hatte ich die Flytour allerdings schon Samstag Abend aus der Scheune befreit und vor der Ausfahrt meines Vaters geparkt. Dort oben im Dorf bohrt mir auch niemand Löcher rein oder hinterlässt irgendwelche Tags auf dem Rumpf. Bei mir auf der Straße zu parken würde ich auf keinen Fall riskieren…Als Aushilfsvorschoter hatte ich den Tischler eingeladen, auch um mich für die spontanen Sägearbeiten an der Sitzbank und dem Motorspiegel zu bedanken. Für ihn das erste Mal überhaupt auf einem Freizeitboot.

Am Sonntag dann kurz nach 9 los, d.h. wir waren um 11 an der Slipanlage, die Hafenmeisterin war wieder sehr freundlich und hier ist auch nicht so ein Auflauf wie am Bärwalder See. Nach einer weiteren halben Stunde war alles klariert und der Motor gestartet. Ich versuchte noch das Standgas einzustellen, so wirklich hat das aber wegen verkeimtem Bowdenzug nicht funktionieren wollen. Also raus auf den See und die Segel hoch. Am Steg zeigte sich schon, dass der Tischler noch nie einen Knoten gemacht hatte außer vielleicht an seinen Schuhen. Die Klampen belegte er durch mehrfaches Umschlingen. Naja, jetzt hat er ’ne Hausaufgabe…

Entgegen der Vorhersage war der Wind doch etwas böiger als gedacht und von Sonne war auch keine Spur. Egal, wenigstens keinen Sonnenstich mitgenommen. Wir haben mehrere Schläge im breiten Teil des nördlichen Sees geschlagen, viel gequatscht, Boje über Bord gespielt, geraucht, gegessen, gesegelt.

Im Gegensatz zu allen anderen bisherigen Vorschotern drängte der Tischler nicht ans Ruder. Als ich ihn nach ca. 2 Stunden dann fragte ob er auch mal steuern wolle, freute er sich natürlich schon und nahm an der Pinne Platz. Dort hielt er sich dann stoisch fest ohne in irgendeine Richtung zu zucken. Ungewohnt und interessant, aber klar, falsch machen wollte er halt auch nichts. Ich hab dann versucht ihm ’n paar Grundlagen nahe zu bringen, anluven und abfallen und so. Nach einer halben Stunde nahm ich ihm das Ruder wieder ab, auch weil inzwischen Regen aufzog und böse Böen zu erwarten waren. Das Gegenteil war der Fall, es schüttete mal für ca. 10 Minuten, genug um vollständig nass zu werden, dann schlief der Wind komplett ein. Spiegelglatter See. Also machten wir ein Radler auf, rauchten eine, aßen, quatschten. Vielleicht ’ne halbe Stunde, ich hatte die Segel zum Trocknen oben gelassen, da wurde der Wind schlagartig wieder eingeschaltet. Wider Erwarten ziemlich stark. Gleichmäßig zog die Windstärke innerhalb von 1 Minute von 0 auf 5 Beaufort an. Rumpfgeschwindigkeit hatte die 11&30st nach ca. 20 Sekunden bei achterlichem Wind.  Ich machte mir ’nen Spass aus Schmetterlingssegeln. Da wir allerdings 5,8 kn liefen und der Hafen jetzt schon querab lag, musste bald mal angeluvt werden. Nach der Ruhepause, dem Radler und der Entspannung kam die resultierende Krängung auf Halbwindkurs ziemlich erschreckend daher. Aber nur weil ich ein Schisser bin, wirklich kritisch war das nicht. Trotzdem entschied ich mich nach ca. 500 m auf Amwindkurs dazu, die Segel runter zu holen um kein Unglück zu beschwören. Hierbei war ich natürlich auf die Hilfe des Tischlers angewiesen und es zeigte sich die Unerfahrenheit desselben. Erst nahm er trotz klarer Anweisung und Beschriftung der Klampe das falsche Fall in die Hand (da wäre uns fast die Gaffel auf den Kopf gefallen), als ich ihn darauf hinwies, nahm er das richtige, brauchte allerdings 2 Minuten um die Klampenbelegung zu lösen. Keine Ahnung was er da tat. Dann schickte ich ihn auch noch aufs Vorschiff um das Segel abzuschlagen, gut dass er dabei nicht über Bord ging. Egal, ging alles gut, Motor sprang direkt an und wir motorten an die Slipstelle zurück. Nach dem Ausslippen wurde mir klar, dass dabei immer jemand ganz achtern sitzen sollte, dann liegt das Boot auch vorne auf dem Trailer an der Bugstütze an.

In die Scheune zu dirigieren ging auch problemlos, allerdings vergaß ich den Außenborder aus dem Kofferraum zu nehmen, was aufgrund der Benzingerüche am nächsten Tag zu großem Unmut bei meiner Frau führte. Trotz Checkliste.

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