Zusammenfassung des ersten Wochenendausfluges, d.h. auch der ersten Übernachtung auf der „11&30st“. Jippie!

Freitag, 29.09.2017:

Nachdem ich die Kinder in Schule und Kindergarten abgeliefert hatte schnappte ich mir das vollgepackte Automobil (Klapprad, Luftmatratzen, Schlafsack, Klamotten, Kleinkram…), kaufte Proviant und einen Kasten Bier und holte die Flytour aus der Scheune. Der Plan bestand darin ein wenig am Boot zu basteln, einen Nachmittag mit dem Bäcker zu segeln, in der Jolle zu übernachten, am nächsten Morgen noch 2 h zu segeln, dem Bäcker das Auto zu geben damit er es nach Dresden zurückbringt und sich in den Zug setzt während ich am See bleibe und mir Mitsegler und für Sonntag oder Montag eine Rückfahrt organisiere. Für zu windige Phasen hatte ich mir Pilzesuchen vorgenommen. Die Lausitz ist extrem voll davon… Soweit der Plan.

Proviantierung und Boot aus der Scheune holen dauert doch immer wieder länger als erwartet, ich war dann sogegen 11 am See. Vorher nochmnal mit dem Hafenmeister telefoniert und mich rückversichert das jemand da ist und ich einen Liegeplatz bekomme. Nach dem Parken erstmal Preisverhandlung. Saisonendpreis belief sich auf 80 Euro für 4 Wochen, am 31.10. soll es also wieder draussen sein. ‚Ne ganz faire Nummer, da passt das auch das mit der Hafenmeister keine Quittung ausgestellt hat. Den Liegeplatz sollte ich mir aussuchen, am besten nah am Ausgang, klang plausibel. Was nicht plausibel klang war, dass mich der Mensch immer mit „ihr“ ansprach. „Da könnt‘ „ihr“ euch einen Platz aussuchen…“ Etwas irritierend, aber das scheint so eine Dialekt-Geschichte zu sein. Egal, macht der halt so. Ich hab die Flytour dann erstmal ins Wasser gelassen, an der Slipstelle befestigt, mit dem Hafenmeister den Mast gestellt und den Trailer weggeschlossen, das Fahrrad am Zaun angeschlossen und das Boot mit Aussenborder an den Liegeplatz verfrachtet. Dabei ging das Dinbg beim Einlegen des Leerlaufes kurz vor Erreichen des Liegeplatzes spontan aus und es ruckte auch heftig an der Halterung, irgendwas passt da nicht wirklich gut. Dann drinnen alles soweit klariert und erstmal die vom Scheunenbesitzer vorgeschlagenen Bierhalterungen angebracht. Ich dachte das ist ’ne schöne Überraschung für den Bäcker. Sieht jetzt so aus und funktioniert prächtig:

Inzwischen war es bei sommerlichen 22 °C auch schon wieder 14 Uhr geworden, höchste Zeit den Bäcker vom Bautzner Bahnhof abzuholen. Halb 4 waren wir wieder auf dem Boot und da ja alles komplett vorbereitet war gings bei 2-3 Bft direkt auf den See raus. Die Windrichtung passte, also auch ohne Motorkrach und klapprige Aussenborderhalterung.

Entspanntes Nachmittagssegeln mit viel, viel, viel Gesprächsstoff, Boje-über-Bord Manövern, Beiliegen und gewinnen des „last boat on the lake“ Preises. In völliger Dunkelheit am Steg angekommen, dann doch mit Motorhilfe.

Schlauerweise hatte ich einen 2-Liter Beutel tiefgefrorenes Dal und einen Gaskocher inklusive Topf und Besteck eingepackt, also Boot festgemacht und erstmal was zu spachteln zubereitet. Viele Biere getrunken, geraucht, gequatscht, noch ’n paar Fotos gemacht und irgendwann auf die Luftmatratzen, heija-popeija. Diesmal hat das Aufblasen der Akku-Kompressor erledigt. Macht zwar Krach, dafür ist aber acuh niemandem schwindlig. Ich schlief schlecht. Deshalb der arme Bäcker wohl auch, ja, schon, er hat’s am nächsten Morgen bestätigt. Ich musste zweimal raus in den See urinieren und auch sonst drehte ich mich ein paar mal geräuschvoll um. Anyway, wer mit mir im Raum übernachtet sollte sowieso Ohropax griffbereit haben. Sage ich auch jedem vorher.

Tagesetmal mit zu spät getriggertem Begin:

20170929_Baerwalder

Samstag, 30.09.2017:

Am nächsten Morgen so gegen 8 aufgestanden, ziemlich interessant sieht der Rumpf bei direktem Sonnenlicht von innen aus. Ob das strukturell gesehen gut ist werde ich beobachten, bisher macht der Rumpf einen soliden Eindruck. Aber cool sieht’s aus.

Jetzt erstmal wach werden, Toilettenbesuch, Pfandflaschen ins Automobil tragen, feststellen das die vorhergesagten Böen von 6 Bft. (noch) nicht anliegen und so langsam das Boot klar machen.

Dann gings also ungerefft raus. Wie das immer so ist, sollte man dem Wetterbericht doch etwas mehr vertrauen und ich persönlich werde das nächste Mal die Ansage machen, das mir die aktuelle Lage schnuppe ist. Bei vorhergesagten 2 Bft mit 6er Böen wird gerefft. Basta! Diesmal war mir das peinlich, was bei der ersten Böe (die war noch keine 6) definitiv als falscher Stolz erschien. So übermüdet bei widrigen Bedingungen und ohne Reff im Gross macht das echt keinen Spass, zumal das Boot zwar prinzipiell recht kentersicher ist, aber das Material eben doch übermäßig beansprucht wird. Nach ca. 10 Minuten Am-Wind-Gehacke sah ich, dass das Groß achtern ca. 30 cm aus der Baumnut gelöst wurde, deutliches Zeichen dem Treiben ein Ende zu bereiten, das Tuch runter zu holen, den Motor anzuwerfen und wieder fest zu machen. Beim Einholen der Fock habe ich dann noch meinen lieb gewonnenen Sonnenhut verloren, auch dafür muss wieder Ersatz her. Der lustigste Schmankerl war dann aber, das kurz vor der Hafeneinfahrt unter Motor auf einmal der Verklicker vom Mast fiel. Abgebrochen. Aber eben nicht beim beanspruchenden Segeln sondern konstantem Winkel zum Wind unter Motor. So ’n mechanisches Teil kommt mir da nichtmehr drauf, im nächsten Winter wahrscheinlich eher ’n simples Bändsel.

Na gut, nachdem wir die Flytour wieder fest gemacht hatten gings noch an die Reparatur des Großsegels, das musste nun wieder in die Nut des Baumes zurückoperiert werden. Dauerte ’ne halbe Stunde, ging auch nach viel Gewalt und Fingerkrämpfen und ließ die Erkenntnis reifen, dass die Nuten in Gaffel und Baum nur noch bedingt einsatzfähig sind und irgendwann überarbeitet werden müssen. Egal, diese Saison geht’s noch.

Die Strecke der halben Stunde auf dem Wasser:

20170930_Baerwalder

Ich hab dann wärend des Reparierens des Großsegels entschieden doch wieder mit in die Hauptstadt zu fahren, da mein eingeplanter Mitsegler am Samstag keine Zeit hatte, eine Kaltfront durchzog und ich alleine auch keine Lust hatte, einen ganzen Tag lang Pilze zu suchen bei 8 Grad Celsius. Also erstmal wieder nach Hause. Die Kinder freuen sich ja dann auch herzerwärmend wenn man wieder da ist.

Montag:

Als ich die Kaltfront zu Hause abwetterte, machte ich für Montag noch einen Termin mit dem Gemüsehändler klar. Diesmal ließ ich mich am Bahnhof Bautzens abholen, zurückfahren wollte ich mit dem Steinmetz, mit dem ich für nachmittags einen Segeltermin klar gemacht hatte. Der Gemüsehändler holte mich also gegen 11 am Bahnhof ab und hatte seine ganze Familie im Automobil. Das bedeutete erstmal Klärung schaffen (ohne Waffen), wer denn jetzt alles mitkommt und wie das Zeitmanagement konkret aussieht. Ich machte deutlich, dass sein knapp zweijähriger Schreihals definitiv nicht mit aufs Boot kommt, da die Kindsmutter derselben Meinung war, waren die Verhältnisse schnell geklärt. Fünfjähriges Kind, dessen Opa und der Gemüsehändler kommen mit, wir fahren von 12 bis 2, dann steigt die Gemüsesippe aus und der Steinmetz ein. Guter Plan.

Also erstmal enthutzen, Segel setzen, unter Segeln raus und einmal rum den Steg, wieder anlegen und Opa ’ne Rettungsweste besorgen lassen. In der Zwischenzeit Kind gebrieft. KindKind wirkte aber generell recht entspannt, also das Briefing auf „immer hier drinnen bleiben, nicht über den Rand beugen“ beschränkt. Rettungsweste an und mit Rückenwind ab die Kirsche. Wir sind dann bei 3 Bft, größtenteils mit Halbwind, fast Rumpfgeschwindigkeit gefahren, bis wir kurz vor’m Kraftwerk auf der anderen Seite des Sees ankamen. Dann war auch schon Zeit zurückzukreuzen. Auch der Gemüsehändler schnappte sich mal für 20 Minuten die Pinne, wirkte allerding nicht wirklich souverän, was sich dann beim Fenderausbringen noch verstärkte. Der Mann braucht unbedingt ’ne Übungsklampe! Ich glaube er war selber etwas überrascht, wie wenig er von seiner letzten Segelpraxis noch anwenden konnte. Egal, wir hatten ziemliches Sahnewetter mit genau richtigen Windverhältnissen für Kindersegeln, Opa versuchte das Kind mit mäßigem Erfolg zu Knotenübungen zu motivieren, aber im Großen und Ganzen und vor allem im Vergleich zu meinen eigenen Quälgeistern, funktionierte das 3-Generationen-Segeln überraschend gut. Na gut, auf dem Boot „fremder“ Leute könnten sich meine bestimmt auch 2 Stunden lang zusammenreißen, nur auf meinem eben nicht… Aaarrrggg.

Kurz vor 2 legten wir also recht entspannt wieder am Steg an, kurz festgemacht, Gemüsesippe verabschiedet, Steinmetzen gesucht und gefunden, nochmal kurz Lulu gemacht und wieder raus auf’n See. Der Wind schlief zwischenzeitlich etwas ein, was ich zum Basteln nutzte, frischte dann wieder etwas auf, die Sonne war die ganze Zeit unser Begleiter, Kaiserwetter.

Beim Reparieren stellte ich fest warum der Außenborder immer so zappelt. Die Position des Klemmhakens, der die gewählte Arretierung gewährleistet, ist etwas zu hoch und somit rutscht der Haken über den Sicherungsbolzen hinweg. Das Ganze durch einen zu hoch sitzenden Sperrbolzen, der es nicht zulässt den Motor und damit den Klemmhaken weiter runter zu bekommen. Hier wird gefeilt werden müssen. Weiterhin bastelte ich ein paar Ausreithandgriffe zurecht, räumte das Boot wieder einigermaßen auf und ließ den Steinmetzen ziemlich lange an der Pinne entspannen. Bei 2-3 Bft hatte kam er auch gut zurecht und hatte einen entspannten Nachmittag. Ich natürlich auch. Vor dem Anlegen kniffen wir noch Höhe so gut es ging, um dann mit Schmetterling zum Hafen zu rollen.

Klappte soweit super, dann Fock runter und mit Groß an den Anlegeplatz. Dabei habe ich das Boot leider nicht wirklich gut in den Wind gestellt bekommen, der Aufschießer misslang und zu allem Überfluß sprang der Steinmetz nicht wie gedacht vom Bug an den Steg sondern über die Steuerbordseite. Dadurch wurde das Boot beschleunigt und nicht gebremst und der Steinmetz riss sich beim Abstoppen am Bug dann zu allem Überfluß noch die Hand auf. Danach hatte ich schon ein schlechtes Gewissen, da ich ihm wohl keine glasklaren Anweisungen gegeben hatte. Daran muss ich wohl noch arbeiten. Abschließend dann noch die Großschotblöcke getauscht (jetzt sind alle Blöcke aus Tufnol/Hartgewebe) und dabei die Position derart angepasst, daß die Schot nicht bei jeder Wende/Halse am Ruder bzw. der Pinne hängen bleibt.

Boot verhutzt und ab nach Hause.

Von 12 bis 5 dann doch ’n paar Meilen im Wasser liegen lassen. Insgesamt an diesen Wochenendtagen 28 sm.

20171001_Baerwalder

Jetzt liegt das Boot also noch 4 Wochen am Steg und kann mit relativ wenig Aufwand gesegelt werden, bin gespannt wir oft es genutzt werden wird…

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