Nachdem das letzte Wochenende wegen familiärer Verpflichtungen leider trotz Kaiserwetters nicht gesegelt werden konnte, nahm ich mir am Montag noch einen Tag Urlaub um mit der Partnerin mal alleine auf den See zu fahren. Zu allem Überfluß wurde unser kleines Kind aber von einem Infekt heimgesucht, sodaß nach langem Hin und Her beschlossen wurde, das Kind die nächsten Tage nicht im Kindergarten abzugeben und statt dessen zum Kinderarzt zu fahren um sich einen Kind-krank-Schein zu holen. Ich hätte heulen können! Die Partnerin (bisher überhaupt nicht als segelaffin zu bezeichnen) stimmte dem Vorschlag, am Montag auf den See zu fahren, eine Woche vorher total spontan und positiv zu. Ohne Murren. Es wirkte fast so, als hätte Sie tatsächlich richtig Lust dazu. Das hatte mich so begeistert, dass die jetzige Entwicklung natürlich wie ein Schlag in die Magengrube war. Als sich das Fieber am Kind bemerkbar machte und alle Optionen im Dialog mit der Partnerin durchgespielt wurden, kam von Ihr sogar die Bemerkung, man müsse die Feste so feiern wie sie kommen und demzufolge eben mit Fieberkind segeln gehen. Klang zwar nicht verlockend, aber doch darstellbar, da das Wetter, sprich der Wind, für Montag in der Vorhersage allerdings nochmal auffrischte, schob ich meinen freien Tag von Montag auf Dienstag und wetterte das Kinderfieber erstmal auf Arbeit ab. Am Dienstag sind wir dann tatsächlich, trotz immer noch fiebrigem Kind, zusammen an den See gefahren. Mit Fiebermittel, Proviant und irgendwie einem mittelmässigen Gefühl.

Angekommen am Bärwalde See war das Fieberkind natürlich tief eingeschlafen, so dass ich die Mädels erstmal am Auto zurück ließ und die Flytour alleine aufriggte. Die Ältere versorgte sich mit Mittagessen von der Imbissbude, die kranke Kleine schlief tief und fest. Am Steg angekommen, konnte ich mir erstmal in Ruhe ein Bild von den Auswirkungen des letzten Sturms machen. Ein Festmacher hatte sich gelöst, es stand noch etwas Wasser auf der Persenning und vor allem war die Steuerbordseite durch den gelösten Fender leicht beschädigt. D. h. der Schriftzug „11&30st“ war abgescheuert, die Scheuerleiste hatte deutliche Schleifspuren und auch der Lack hatte leichten Schaden genommen.

Im Großen und Ganzen aber nichts dramatisches, dafür das der Sturm den Zugverkehr in der halben Republik lahm gelegt hatte… Da jetzt nur noch ein laues Lüftchen wehte, (super Familienbedingungen) ließ ich die „elfendertigst“ aufgeriggt und bewegte mich wieder gen Auto. Dort fand ich das Kind immer noch tief schlafend vor, inzwischen war es aber schon fast high noon, das ältere Kind sollte bis spätestens halb fünf aus der Schule abgeholt werden, knappes Zeitbudget…

Nach einer halben Stunde hatte ich beide Mädels ablegebereit, leider war die kleinere trotz Fiebermittels in einem bedauernswerten Zustand. Aber hilft ja nix, jetzt waren wir hier. Ab auf’s Boot, alleine Ablegen, der Wind, bzw. das Lüftchen steht günstig, also unter Segeln versucht. Ohne Fock back stehend, da nur mit Grosssegel durchgeführt, misslingt das Manöver das erste Mal und wir fahren wieder vorwärts in die Box. Beim zweiten Mal schiebe ich die „11&30st“ weiter aus der Box raus, sodass wir mit Fahrt voraus am Steg vorbeikommen. Das ganze Ablegemanöver quasi allein durchzuführen ist ziemlich riskant, da ich das Boot erst anschiebe um dann im letzten Moment reinzuhüpfen. Hüpfe ich zu früh kommt das Boot nicht weit genug aus der Box und macht wieder Fahrt in die Box rein, hüpfe ich zu spät lande ich im Wasser und die Mädels sind allein an Bord… Naja, beim zweiten Mal klappt’s wie gesagt und dann kommen wir entspannt aus dem Hafen raus. Als ich die Fock hisse versucht Madame das wegen Krängungsangst zu verhindern, ganz schön lustig bei 6 kn Wind… Aber gut, wir fangen alle erst an uns mit den Bedingungen anzufreunden. Um diesen Prozess noch etwas zu beschleunigen, drücke ich ihr die Pinne in die Hand als ich das Fall bedienen gehe. Missmutig aber mit Unterstützung des Fieberkindes bleibt Sie auf Kurs!

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Das Segeln beschränkt sich auf 2 h mit zwei Dutzend Wenden und 10maligem Durchfahren einer kleinen Düse von 100 m, wo Windstärke 3 herrscht und somit durchaus kleine Action im Boot ist. Naja, man gewöhnt sich langsam dran. Das Kind verfüttert sein Milchbrötchen liebevoll an die Fische, wir haben viel Sonne (gut für die ausgewachsenen, schlecht fürs Fieber) und nach 2 h beschließen wir Schluß zu machen.  Also Fock wieder runter und unter Gross in den Hafen kreuzen. Viel Höhe läuft das Boot natürlich nicht, es reicht aber um wieder beim zweiten Versuch in die Box zu kommen. Ich hole dazu zum ersten Mal den Bootshaken und übe mich im Gebrauch desselben. Super Werkzeug! Da mir ja niemand Hilfestellung gibt, bringe ich das Anlegemanöver so sauber zu Ende, das wird sich in Zukunft wiederholen. Nach provisorischem Festmachen schicke ich die Mädels wieder zum Auto und kümmere mich um die sichere Verzurrung des Bootes. Dabei stelle ich nach dem ersten Anlauf Optimierungsbedarf fest (das dritte Mal an diesem Tag das irgendwas wiederholt werden muss) und entschliesse mich trotz besseren Wissens dazu, die achterliche Festmacherleine am Boot vom Steg aus zu lösen um sie noch etwas kürzer zu zurren. Dafür stelle ich einen Fuss auf das Boot und lasse einen auf dem Steg. Macht man natürlich nicht, aber es muss mal wieder zügig gehen… Fehler, es passiert natürlich was passieren muss, das Boot bewegt sich langsam vom Steg weg, ich bin nicht schnell genug mit dem Wiederbeleben der Klampe, ziehe den Fuss, der auf dem Boot steht, im letzten Moment wieder auf den Schwimmsteg (wieder eine falsche Entscheidung, andersrum wäre besser gewesen), torkle dann noch gefühlte 12 Sekunden einbeinig auf dem Steg rum, um schliesslich endgültig das Gleichgewicht zu verlieren und ins Wasser zu fallen. Als ich mich wieder hoch gezogen hab bin ich nass und dreckig. Kalt ist es merkwürdigerweise überhaupt nicht und glücklicherweise habe ich eine komplette Wechselgarderobe im Boot. Also umziehen, leider nur kurze Hose und Flanelhemd im Kleiderschrank, ich sehe also aus wie Honk, aber bin wieder trocken. Leider gibts von der Aktion kein Foto. Die Mädels kommen 10 Minuten später, als ich mit verhutzen gerade fertig werde, wieder, und Madame lacht sich scheckig über mein Missgeschick. Naja, Sie sah mich wohl schon in Unterhose am Steg rumturnen…

Ab nach Hause, bzw. das ältere Kind abholen und sich erstmal darum kümmern die Kleine wieder fit zu bekommen.

Alles in Allem trotzdem ein lohnendes Erlebnis, wieder was gelernt, die Mädels wieder etwas mehr vom Familienhobby überzeugt und viel Sonne getankt.

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