Eigentlich wollte ich die „11&30st“ ja schon vor dem angekündigten Sturm am 28.10. in die Scheune rollen. Leider scheute ich den Konflikt mit meiner Frau, die ausgerechnet an dem Tag auch Anspruch auf’s Auto angemeldet hatte. Da das Boot den letzten Sturm auch recht gut verkraftet hatte, redete ich mir die Situation schön, kniff die Backen zusammen und vertröstete mich auf Dienstag (da war Feiertag im sonnigen Sachsen).

Als ich Dienstag morgen losfuhr hatte sich der Sturm gelegt, es wehte aber immer noch mit mässigem Wind, sodaß ich mich auf dem Hinweg sogar der Illusion hingab nochmal einen Soloschlag über den See zu machen. Als ich am Hafen ankam sagte ich erstmal dem Hafenmeister „Hallo“ und fragte nach dem Bootszustand. Als Antwort bekam ich ein „Das ganz da hinten? Das hat’s ganz schön zerhauen.“ Da musste ich erstmal schlucken… „Dann geh ich mir das mal anschauen und heul‘ ne Runde“ sprach ich und zog von Dannen. Mit einem dicken Klos im Hals schloß ich das Tor auf und schlich zum Boot. Aus der Entfernung sah es gar nicht so arg aus, der Mast stand noch, es schien auch noch zu schwimmen, aber ja, irgendwas stimmte nicht…Für eine Solotour über den See war es definitiv zu böig bei im Mittel 3 Bft. Zu kalt zudem. Als ich dann näher kam, sah ich als erstes dass der Leuchtturm nicht mehr am Ende des Schwimmsteges lag, sondern der Steg gebrochen war und der Leuchtturm jetzt 5 m entfernt vom restlichen Steg schwamm. Direkt unter der sich auftuenden Lücke lag die Flytour. Aus der Distanz sah ich die zerrissene Persenning und lauter Kieselsteine auf dem Deck. Wie kamen die denn dahin? Außerdem fehlte der dicke Fender und die Bug- sowie eine Heckklampe waren aus dem Deck gerissen. Das Boot hing sozusagen am seidenen Faden. Als ich am Heck ankam, sah ich noch dass der Motor zwar noch an der Halterung hing, an dieser aber ein Bolzen abgebrochen war und der Motor deshalb unter der Wasserlinie auf Tauchgang hing. Den Anblick konnte ich mir nicht lange geben, also stieg ich erstmal ins Boot, warf den Rest der Persenning zusammen und begann damit die Kieselsteine zusammenzukehren. Relativ schnell löste sich dann auch das Rätsel wo die alle herkamen. Mehrere Taschen der Persenning waren aufgerissen und leer. Bis dahin dachte ich da wären Schrauben oder Muttern drin, aber klar, Kiesel kostet erstmal nix und ist auch schön rund. Da kamen die also her. Wärend ich so mit Kieselsteinwegfegen beschäftigt war, arbeitete es in meinen Nischel wie ich das Boot nun den ganzen Weg vom Ende des Stegs zur Slipstelle bekommen würde…Ohne Außendorder, der schwamm ja unter Wasser… Für Paddel war definitiv zu viel Wind exakt aus der falschen Richtung.

Also schnellen Schrittes zum Hafenmeister, den ich gerade beim Einpacken seiner Motorjolle erwischte, und mal freundlich gefragt, ob er noch ein anderes Schleppfahrzeug im Becken habe. Er verneinte und erklärte zudem das er los müsse. F≠≠k. Abschließend gab er mir noch den Hinweis mit das der Typ der da schon seit ’ner Stunde seine Runden im Hafenbecken drehte sein Boot einfährt und ich den doch mal fragen solle. Ich bat ihn geistesgegenwärtig erstmal noch den Trailerplatz aufzuschließen, was er natürlich noch zusicherte und machte mich dann auf den Weg zum Motorbootjohnny. Den musste ich erstmal einfangen, was aber gar nicht so schwer war. Hilfsbereit wie Wasserratten nunmal sind kam er mit und wir versuchten die Flytour rauszuziehen. Da er offensichtlich noch neuer im Metier war als ich, gab ich ihm noch den Tipp nicht über die Schleppleine zu fahren. Das hatte ich dieses Jahr ja auch schon ausprobiert… Der Typ war wirklich meine Rettung, er schleppte mich schön bis zur Slipstelle, dort machte ich die Flytour erstmal provisorisch fest und stellte dann fest dass das Tor natürlich auch zu war. Also wieder aufs Boot und mit Paddeln und Leinenhilfe am Tor vorbeimanövriert um dann nochmal außerhalb des Tores fest zu machen. Jetzt zum Trailerplatz und festgestellt dass das Tor natürlich auch verschloßen war. So langsam machten sich Monkey-Island-Gefühle breit. Wie viele Steine lagen hier noch im Weg rum? Das Tor habe ich dann über den Bodenhaken beidseitig geöffnet, den Trailer geholt und dann ging’s wieder zurück zur Slipanlage. Mast noch legen. Dazu fragte ich den letzten anderen Ausslippenden, der sein Kajütsegelboot schon draußen hatte und auf dem Trailer festzurrte. Wie sich herausstellte war er auch bei der Festmachaktion der „11&30st“ beteiligt und sagte mein Boot wäre frei rumgetrieben. Großes Danke, dann legten wir den Mast und auch er fuhr nach Hause. Also schnell die Hose ausgezogen und die Flytour rausgezogen.

Dann war sie endlich draußen! Nach 3 Stunden Freizeitstress. Zwischendurch sprach ich noch mit zwei Jollentypen, die mir erzählten, dass ihre Jolle trotz Beschwerung des Trailers umgefallen war und der Mast verbogen wurde, das schaute ich mir am Landliegeplatz beim Abholen des Trailers auch live an, sah auch nicht gut aus…

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Ab nach Hause

Also fuhr ich ziemlich traurig und frustriert zur Scheune, rief unterwegs beim Großgrundbesitzer an, der leider verpeilt hatte sein Wohnmobil aus der Einfahrt zu parken. Glücklicherweise war er nur im Nachbarort und hatte bei meiner Ankunft schon kurz umgeparkt. ‚N echter Monkey-Island-Tag… Bevor ich das Boot dann für den Winter reinrollte und aufbockte, machte ich noch schnell mit einer ordentlichen Kamera ein paar Bilder der Beschädigungen. Im Prinzip alles reparierbar, auch wenn’s ’n Haufen nicht eingeplante Arbeit bedeutet. Aber was soll’s, der Rumpf ist intakt und wenn der das überlebt hat, lohnt es sich schon die kosmetischen Kratzer wieder in Stand zu setzen, die Struktur scheint doch zu stimmen.

Wenn da nicht die Baustelle Unterwasserschiff wäre, die diesen Winter auf jeden Fall in Angriff genommen werden muß wär es halb so wild…

Naja, mal sehen was machbar ist.

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2 Kommentare zu „Saisonende – Bärwalder See, 31.10.2017

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