Das hatte sich ja schon angedeutet. Der verrostete Kiel. Das rostige Ruder. Die buckelige Antifoulingschicht, teilweise abgeplatzt. Ein Dorn im Auge…

Bilder siehe hier!

Als ich die Flytour dann mit den ganzen Sturmschäden zum Saisonende 2017 in der Scheune parkte, konnte ich, trotz wirklich mehr als genügend Baustellen für diesen Winter, nicht umhin mich mittels Stecheisens am Kielansatz zu  schaffen zu machen. Dabei bröckelte dann auch gleich ein kleines Stück, dass ich für rottes Totholz hielt, ab und der Entschluss „Das muss unbedingt gemacht werden, bevor mir der Kiel irgendwann mal abschimmelt…“ war gefasst.

Also im Anschluss zwei Monate mit Recherche verbracht und folgenden Plan gefasst:

  • Sandstrahlen des Unterwasserschiffs
  • Entfernen des Kiels, ersetzen des Totholzes
  • Kiel wieder anbringen und abdichten
  • Die Eisenteile mit zinkhaltigem Epoxyprimer grundieren
  • Das Unterwasserschiff mit Epoxyfarbe versiegeln und PUR-Topcoat lackieren
  • Abschließend den Unterwasserbereich zum Schutz gegen Bewuchs mit Wasserpumpenfett einreiben

Dabei muss ich den Service und die Kompetenz der Menschen vom Antifoulingshop erwähnen. Dieser Farb- und Zubehörhandel aus Bad Tölz verkauft diese ganzen, für so ein Vorhaben notwendigen, Epoxyfarben in Industriequalität (AkzoNobel). Mit vorzüglicher Beratung und Service. Für die die es interessiert, hier der link zum shop: http://shop-af.de

Aber das ist erst der zweite Teil dieser Geschichte, erstmal stand das Entfernen des alten Antifoulings an. Da ich das auf gar keinen Fall selber machen wollte, blieb eigentlich nur noch Sandstrahlen als Option übrig. Dabei war aber die Nutzung eines mobilen Services nicht möglich, da ich da weder Lust hatte eine Strahlkabine zu bauen, noch die Scheune mit Giftmüll zu versauen. Also ging die Suche nach geeigneten Firmen los, was hier in der sächsischen Provinz alles andere als einfach war. Ursprünglich war auch mal die Auslagerung des gesamten Projektes an einen Fachbetrieb angedacht, dabei waren allerdings nur utopisch hohe bis ziemlich teure Angebote zu bekommen. Das beste Angebot belief sich auf ca. 3000 Scheine, allerdings ohne die Möglichkeit die Farbwahl zu beeinflussen und immer mit der letzten Beschichtung mit Antifouling. Darauf wollte ich aber unbedingt verzichten, ich gehe bis jetzt immer noch davon aus, dass das bei einem Trailerboot überflüssige Umweltbelastung ist. Aber das wird abschließend erst nach der ersten Saison zu beurteilen sein. Naja, es lief also alles darauf hinaus den alten Dreck wegstrahlen zu lassen und den Neuaufbau dann selber zu bewerkstelligen.

Den Sandstrahlbetrieb zu finden war zwar nicht einfach, letztenendes aber auch „alternativlos“, weil es nur einen mit geeigneter Halle und Kran im Großraum Dresden gibt, der das auch durchführen wollte. Also nach einigen Emails und einem Telefonat das Boot dorthin verfrachtet mit der Vereinbarung einer Probestrahlung und der Erstellung eines Angebotes. Da die Menschen dort wohl gerochen hatten das ich keine Optionen in der Hinterhand hatte und das Boot ja nun auch schon dort stand, fiel das Angebot ziemlich jenseits von gut und böse aus. Ich hab dann auf Nachfrage zwar einen ca. 10 prozentigen Rabatt erhalten, trotzdem war die absolute Schmerzgrenze die ich dafür eingeplant hatte, geradeso mit Ach und Krach hauchdünn unterschritten. Mit gemischten Gefühlen also beauftragt. Wenigstens sicherten mir die Sandstrahler zu, die Eisenteile direkt nach dem Strahlen mit der mitgelieferten Grundierung zu behandeln. Nach fünf Tagen vereinbarten wir einen Abholtermin, 16:00 Uhr. Ich war 10 Minuten vorher dort, aber alles verschlossen, Klingeln half nix, anrufen auch nicht. Nachdem ich 20 Minuten von einem Bein aufs andere trat, durfte ich unverrichteter Dinge wieder abziehen. Das Wetterfenster ließ diesen Tag aber ideal erscheinen, danach war Schnee angesagt, was den Transport in die Scheune natürlich nicht vereinfachte. Außerdem durfte ich den Termin mit dem Großgrundbesitzer wieder absagen, alles in allem gar nicht schön. Am nächsten Tag dann bei den Sandstrahlern angerufen und mich etwas beschwert. Eine richtige Erklärung gab’s irgendwie nicht, es wäre wohl noch jemand da gewesen, wie auch immer, mir öffnete niemand. Dann also zum nächsten wettermäßig geeigneten Tag nochmal da hingegurkt und diesmal auch jemanden erreicht. Beim Festmachversuch des Ruders durfte ich aber feststellen das dieses fest stand. Da ließ sich auch nix rütteln, das blieb fest. Ich bemängelte das und versuchte noch rauszubekommen ob die den Kran am Ruder festgemacht hatten, die Erklärung ging aber in Richtung „da könnte Strahlgut reingepresst wurden sein…“ Naja, was sollte ich machen? Gut, ich kenne Menschen, die das so nicht bezahlt hätten, aber zu denen gehöre ich eben nicht. Das war jetzt eben mein Problem.

Vorher-Nachher Bilder hier:

sandstrahlen

Also im Halbdunkeln vor die Scheune gefahren, festgestellt, das ich mal wieder meinen Scheunenschlüssel vergessen hatte, gebrauchter Tag. Glücklicherweise kam der Großgrundbesitzer 40 Minuten später nach Hause und konnte öffnen, die Zeit nutzte ich für ein Nickerchen. Vorher noch schnell ein paar Fotos der Grundierung von Rumpf und Ruder geschossen.

Strahlen-KielRuder
Grundierte Eisenteile

Das Gespann eingeräumt und dann erstmal ab nach Hause.

Bei der ganzen Planung der Unterwassersanierungsaktion war die Aufhängung des Bootes ein elementarer Punkt. Das musste irgendwie gelöst werden. Und es hat mir schlaflose Nächte bereitet.

Irgendwann hatte ich dann doch den erlösenden Einfall mir zwei Kettenzüge zu besorgen und das Boot damit an den Querbalken der Scheune aufzuhängen. Glücklicherweise stehen davon zwei Stück direkt über dem Parkplatz des Bootes, einer am achterlichen Ende des Cockpits und einer über dem Bug. Wie dafür gemacht.

Allerdings kam die Überraschung beim Auspacken der Kettenzüge (günstig bei ebay geschossen). Beide hatten Stoßschäden am Gehäuse, bei einem war sogar ein Teil des Getriebezahnrades abgebrochen. Also nach dem Aufhängen wieder abgehängt, kurz über den Retourversand nachgedacht, mich dann aber doch darauf besonnen, das ich ja irgendwie Ingenieur bin und das doch reparierbar sein sollte. War es dann auch, Gehäuse demontiert, Ketten eingehängt, Gehäuse zugeschraubt, voilá, funktioniert doch wieder. Trotzdem beeindruckend wieviel Schrott auf ebay eine second-sale Plattform findet.

 

 

 

Als nächstes habe ich dann den Kiel gelöst. D. h. die drei M30 Kielbolzen unter den Bodenbrettern mehrere Tage mit Kriechöl geflutet und dann mit massivstem Werkzeug die Muttern gelöst. Allerdings war der Kiel danach trotzdem nicht wirklich locker. Also erstmal wieder unter’s Boot und alles an Dichtungsmittel was ich finden konnte weggekratzt. Dabei ist mir dann auch aufgefallen das das Totholz gar kein Totholz war, sondern der Kiel direkt und ohne Zwischenlage aus Holz auf dem GFK angebolzt ist. Also gab es auch keine Notwendigkeit mehr für eine komplette Demontage des Kiels, es musste ja nun kein Holz mehr getauscht werden.

Als die Bodenbretter aber erstmal ab waren hab ich auch gleich noch dieses oberhäßliche Aluminiumprofil zwischen den vorderen beiden Spanten entfernt.

 

 

 

Dann ging’s ans grobe anschleifen. Dafür hatte mir der freundliche Großgrundbesitzer freundlicherweise seinen Trockenbau-Tellerschleifer geliehen. Damit also nochmal grob über die sandgestrahlte Oberfläche drüber und dann konnte munter gespachtelt werden.

Dafür hatte ich mir glücklicherweise den Bäcker als Spachtelsklaven eingeladen, also konnte der Arbeitsschritt noch mit ziemlich viel Restalkohol und Muskelkater vom Vorabend (wir waren Fußball spielen und bis in den frühen Morgen trinken) bei viel blödem Gequatsche kurzweilig gestaltet werden. Allerdings war der Spachtel bei ca. 4 °C doch ziemlich dickflüssig und dementsprechend schwer verarbeitbar. Egal, es ging, nach 4 h Arbeit waren Kiel und Ruder soweit streichbar und unsere Augen tränten vom Epoxydampf. Also machten wir Schluss und fuhren noch auf ein Konzert, was glücklicherweise mit Bestuhlung angedacht war. Sehr cool, aber sieben mal kurz eingeschlafen. Is das ’ne Krankheit oder Normalität?

 

 

 

Dann durfte der Spachtel acht Tage bei Temperaturen um den Gefrierpunkt trocknen und die nächsten Wochen bin ich dann immer mal wieder halbtags zum Aufbringen der Unterwasserbeschichtung in die Scheune gefahren. Die erste Schicht probierte ich noch bei -3 °C (bis -5 °C sei das wohl verarbeitbar) aber das Unterfangen beendete ich nach 2 m² wieder, weil die Farbe einfach zu niedrigviskos war. Danach wurde es langsam wärmer und Schicht für Schicht konnte aufgebaut werden.

Kielprogress
Streichfortschritt – Schicht für Schicht

Zusammenfassend noch ein Timelapsevideo, leider, leider, leider hatte ich die Kamera zwar beim Spachteln mit, allerdings ohne SD Karte, das war so’n typischer Restalkoholaussetzer…

 

 

Stichpunktartige Auflistung der verwendeten Farben:

  1. Eisenteile-Grundierung mit RELEST® Marine 377 2K-EP-Primer ZM
  2. Rumpfgrundierung mit RELEST® Protect 346 2K-EP-Multicoat
  3. Deckschicht mit RELEST® Protect 311/316 2K-PUR-Topcoat versiegelt

So, und jetzt überleg‘ ich mir ob der Überwasserbereich so bleibt, oder doch schwarz wird… Na, mal sehen. Aber komm, wer A sagt muss vielleicht auch B sagen. Allerdings bequatscht der Bäcker mich ‚grade ganz schön, dass das zu viel wäre…

Die Geschichte, wie wir das Ruder wieder lose bekommen haben, muss ich ’n andermal aufschreiben.

Obwohl, was soll’s, hier passt’s gut hin.

Wie schon angedeutet, war das Ruder fast komplett fest. Es ließ sich noch um ca. 5° drehen, alles Rütteln und Schlagen änderte daran… NICHTS. Beim Streichen war das natürlich hilfreich, aber als fertig gestrichen war, wurde ich schon etwas nervös und fragte mich, was wäre wenn die beim Sandstrahlen den Ruderschaft verbogen hätten. Also, nachdem die Farbe trocken war, das obere Lager demontiert. Immer noch alles fest. Drauf rumkloppen bewirkte… NICHTS. Also den Ruderschaft von oben ordentlich mit Kriechöl geflutet und ein paar Tage gewartet. Danach dann Hilfe vom Großgrundbesitzer geholt, weil alleine ging’s hier nicht weiter. Er drehte und zog unten, ich hämmerte leicht oben, spülte währenddessen weiter mit Kriechöl. Langsam bewegte sich was. Es ging abwärts. Je weiter abwärts, desto leichter ging’s. Nach ca. 50 cm, der Ruderschaft war längst im Ruderrohr verschwunden, ging ich mit runter und wir stellten fest, das wir nach unten nicht mehr wirklich viel Platz haben. Auf jeden Fall nicht genug um das Ruder komplett rauszuziehen. Altbekanntes Problem, wenn man den Arbeitsschritt bei google oder anderen Internetsuchmaschinen eingibt hat das gefühlt jeder. Platz nach unten ist immer ein Problem. Jetzt hätten wir noch die Möglichkeit gehabt den hinteren Kettenzug 40 cm höher zu ziehen, das hätte wahrscheinlich gereicht, aber in dem Fall ging’s noch eleganter. Zufällig, und zwar wirklich zufällig, ich hatte da nicht dran gedacht als ich das Boot aufgehängt habe, war direkt unter dem Ruder einer der drei Bodendurchbrüche in die unter der Scheune liegende Garage. Wir klopften uns also vor Lachen kurz auf die Oberschenkel, entfernten die vier Bohlen, der Großgrundbesitzer ging nach unten (weil er stärker ist als ich), ich fummelte die letzten 30 cm raus und ließ das Ruder entspannt nach unten durchgleiten. Nach 20 Sekunden stand er dann mit dem Baby im Arm wieder in der Scheune. Rückwirkend betrachtet war das alles ein ganz schönes Glück und an dem Punkt fange ich dann auch an von Fügung zu sprechen. So einen (relativ einfach erreichbaren) Bootsstellplatz zeitgleich mit der Trailerfertigung zu finden ist schon extremes Glück. Das das menschlich dann noch so gut harmoniert ist der zweite Punkt. Das dann aber auch die Aufhängung des Bootes an zwei passenden und stabilen Querträgern möglich ist, ist eigentlich nicht mehr vorstellbar und spätestends an dem Punkt, das nach der Aufhängung das Ruder gerade so, passgenau, durch den Bodendurchbruch fällt, ist wirklich unglaublich… Leider habe ich im Eifer des Handelns keine Fotos von dem Spaß gemacht… Putain.

Die Inspektion des Teils ergab einen makellos geraden Ruderschaft, aber böse Korrosionsnarben. Das hatte sich über den Winter einfach nur festgefressen. Einfache Lösung: Schleifen bis die Oberfläche wieder glatt war und mit reichlich Bootsfett (seewasserbeständig!) einschmieren. Die bootsseitige Buchse (80 cm langes Rohr) mit einem Stock und darum gewickeltem Lappen gereinigt. Dann wurde das Ruder wieder eingebaut, also alles in umgekehrter Reihenfolge zusammengebaut. Dabei habe ich noch die obere Fixierung etwas modifiziert. Der Sicherungsstift, der das Herausfallen des Ruders nach unten behindert, war etwas lang, sodass die Lagerglocke immer etwas klapperte, weil sie darauf auflag. Diesen Stift also um ca. 1 cm gekürzt und gleich den Sicherungssplint dieses Bolzens ersetzt. Das war ursprünglich eine Büroklammer, der Großgrundbesitzer spendete zwei Motorklipps in schickem Orange.

DSC_0049red

Als das Ruder wieder montiert war, folgte der Funktionstest: Das Ruder bewegt sich jetzt allein durch Anblasen… Kein Quietschen, kein Klappern und nachdem ich als letztes dann noch einige Lehrenbleche zwischen Pinnenbeschlag und Ruderkopf geklemmt hatte, war auch Nullkommagarkein Spiel mehr in der Ruderanlage. Zufrieden geht der Mensch zu Bett und träumt von der kommenden Segelsaison.

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