11.07.2018:

Die Familie war bei Omi geparkt, ich hatte genug Überstunden gesammelt, um mal etwas länger nicht in dem Bums aufzutauchen, also am Mittwoch, den 11.07. nach einem halben Tag auf Arbeit mutterseelenallein die 11&30st aus der Scheune geholt und ab an den See. Der Plan war dort etwas zu werkeln, das Boot für die geplante Übernachtung vollzupacken, nachmittags auf die andere Seite rüberzusegeln, dort das Halbfinalspiel Kroatien vs. England zu schauen, drei Bier zu trinken und am Steg zu übernachten.

Als ich ankam, zeigte mir der Hafenmeister erstmal den Liegeplatz, das hatte er auch noch nie getan, ich nutzte die Gelegenheit und fragte, wie das mit dem Strom und dem Internet funktioniert, verstanden hab ich’s zwar nur halb, aber prinzipiell geht wohl beides. Ohne vorher irgendeinen Wisch ausfüllen zu müssen. Da das ganze Gepacke doch recht langwierig war, kam ich erst gegen 6 vom Steg weg und musste dann auch noch feststellen, dass der Wind zum rübersegeln nicht reichen wird. Also Tuch wieder runter, Motor an und mit leicht bedrohlicher Wolkenkulisse von achtern rübermotort. Dort angekommen, hatte ich Hunger und machte mir eine lekker smaakelijke Portion Grünkohleintopf warm, etwas merkwürdig mitten im Juli, aber lekker! Das erste Bier schmeckt immer besonders gut, ist aber vor allem immer fix fertig, also trank ich erstmal eins von meinen, auch um die Geldbörse zu  entlasten. Dann endlich Aufbruch zur Kombüse (kleiner Imbiss an der See-Nordseite) mit dem Plan, dort das Spiel zu sehen. Auf dem Weg dahin prangte auch ein riesiges Werbebanner für „zusammen Fussball guggen“.

Pustekuchen, Mitte in der Woche, bei gemischt vorhergesagtem Wetter und unbeständiger Lage, war der Bums zu. Glauben konnte ich es zwar nicht, aber auch einmal drum herum Laufen half nix, der Bums war zu. Also wieder zum Boot, das war natürlich schon mit der Persenning verkleidet, ein Blick über den See zeigte erste Gewitterschauer, also entschied ich mich dazu, wie geplant die Nacht am Nordufer zu verbringen und mir am nächsten Morgen das aktuelle Wetter live anzuschauen. Meine Frau hielt mich per SMS-Liveticker bezüglich  des Halbfinalspiels auf dem Laufenden, ich trank mein Bier aus, beobachtete die aufziehenden Schauer und ging gegen elf schlafen. Natürlich hatte ich bei der Auswahl des Liegeplatzes keine besondere Sorgfalt walten lassen, sodass die Nacht auf Grund einlaufender Wellen doch ziemlich schaukelig war. Außerdem stellte ich fest das irgendwer Abends das Tor an Land verschlossen hatte, war erstmal nicht schlimm, ich ging ja davon aus morgen Vormittag wieder zurück zu segeln.

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12.07.2018:

Am nächsten Morgen wurde ich gegen 7 das erste Mal wirklich wach und hörte wie es schön auf die Persenning nieselte. Beim raustreten fand ich eine Regenküche mit fiesen Böen und eben Nieselregen vor. Also wieder zurück, weiterschlafen. Das wiederholte sich noch mehrfach. Gegen 9 fing ich an zu lesen, da das Boot stark schwankte wurde mir davon gegen Mittag unwohl. Eingesperrt unter der verdunkelnden Persenning, mit Stirnlampe, seit 13 Stunden ohne Nahrungszufuhr mit einem spannenden Buch. Um ehrlich zu sein hatte ich mir sowas in der Art irgendwie vorgestellt…

Kurz vor 14 Uhr hörte der Regen auf. Wind mit bösen Böen und damit auch ordentlicher Welle aber genau aus Süden, also von da wo ich heute noch zurück wollte. Marina Klitten. Ich nahm mir also das Buch unter den Arm und machte mich auf Richtung Land, Nahrung organisieren. Leider war das Tor vom Steg runter immer noch verschlossen, das hatte ich einige Stunden vorher schon probiert zu öffnen, aber die Schließanlage reagierte nicht. Da der Regen jetzt aber erstmal Pause machte, kamen auch einige Camper aus ihren Mobilen und liefen in Sichtweite rum. Ich winkte ein Exemplar von ca. 55 Jahren, das mit offener Jacke den Wind genoß, zu mir ans Tor. Da kam er angeschlichen mit einem Apfel in der Hand. Als er das Tor erreicht hatte fing ich an ihm meine Geschichte zu erzählen. „Bin hier gestern Abend eingeschlossen wurden, Schließanlage funktioniert nicht etc. pp“. Er guggt mich mit großen Augen durch die Gitter des Tores an, hebt die Schultern und fragt: „Und was soll ich da jetzt machen?“ Hmm… Ich bleibe locker und antworte ihm, das es schön wäre wenn er oben in der Campingplatzrezeption Bescheid geben könnte, damit die das Tor aufschließen, die müssten einen Schlüssel haben. „Ja, das kann ich machen…“. Danke! 5 Minuten später kommt ein recht junges, schüchternes Mädel mit dem Schlüssel und öffnet. Sie ist von der Tourismusinformationsstelle, die schließen da abends immer ab, falls das Tor von wem auch immer wieder geschlossen wird ist sie noch bis um vier erreichbar, dann ist niemand mehr da. Hmm. Na gut, das ist mein Zeitfenster. Am Morgen, nach mehreren Stunden unter der Persenning, versuchte ich das Internet des Campingplatzes zu aktivieren, und siehe da, die spärliche Beschreibung des Hafenmeisters reichte aus, für 5 Minuten war das für Umme zu aktivieren, großartig. Das reichte um mir vormittags einen wahrscheinlich recht präzisen Eindruck der Wetterentwicklung zu ermöglichen, demnach sollte der Wind gegen 15 Uhr auf West drehen (quer zur Zielrichtung) und gegen 18 Uhr für eine ca. 1 Stunde nicht regnen. Ich beschloß also erstmal was zu Essen zu besorgen. Rein in die Rezeption des Campingplatzes, die Dame an der Anmeldung sprach zwar von Rettung, was natürlich völlig daneben war, konnte aber außer Bockwurst, die ich noch nicht mal gegessen habe als ich prinzipiell noch Fleisch aß, anbieten. Aber sie hatte den Tipp einer Pizzaria im Ort, direkt am Kraftwerk. 5 Minuten später tauchte ich mit meinem Buch dort auf. Betreiber ist ein älteres Paar, die auch noch 2 Ferienwohnungen vermieten. Sie saßen vor den Finanzen und sahen nicht glücklich aus. Die Gaststube war leeeeeer. Es lief nur ein moderner Flatscreen, inhaltlich RTL-Mittagsprogramm. Ich kam wohl 2 Minuten vor Küchenschluß, man machte mir ohne große Klagen eine Meeresfrüchtepizza, Geschmack so na ja, aber ok, Kaff im Niemandsland, dem Anspruch entsprechend. RTL nervte allerdings ordentlich. Ich trank trotzdem noch einen Kaffee, rauchte noch eine, benutzte die Facilitäten, gab ordentlich Trinkgeld und machte mich gegen 5 wieder auf den Weg. Kein Regen und hier im Wald auch kein Wind. Ich wurde hektisch. Sollte ich etwa doch jetzt schon ein Wetterfenster zur Rückfahrt haben? Schnellen Schrittes gings zum See. Auch hier kaum noch Wind, also 3-4 Bft. ohne größere Böen. Wind aus West. Ich war leicht sauer auf mich, das ich so lange rumgetrödelt habe. Das hätte vielleicht gepasst. Jetzt war das Fenster allerdings schon wieder zu, aus Westen zog der erste Schauer am Seeufer auf. Der brauchte weniger als 10 Minuten um den ganzen See in grau zu hüllen, ich war in dem Moment wieder froh nicht mutterseelenallein auf dem See naß zu werden. Also einen Sitzplatz in der Schutzhütte, mit Seeblick aufgesucht, mich dort halbwegs eingerichtet, immerhin hatte ich ein gutes Buch, einen Apfel, ausreichend Tabak und eine Flasche Mineralwasser. Toillettenbesuch war abgehakt, der Platz war trotz Schauerböen mit 6 Bft. größtenteils trocken. Ich las und wartete. Hin und wieder gingen Menschen auf den Steg und ich hielt jedes Mal den Atem an, bzw. machte mich zum Runterbrüllen bereit, falls das Tor zufallen sollte. Glücklicherweise dachte niemand daran seine Pfoten daran zu vergreifen. Das Buch war fast durchgelesen, da klarte es pünktlich 5 vor 6 auf, der Regen wich, Wind bot zwar noch einige Böen auf, aber wenigstens aus West. Das war mein Wetterfenster. Also runter zum Boot, hektisch die Persenning vom halben Boot entfernt, Motor an, Leinen los und zurück, Kurs Süd. Den Heck-Festmacher ließ ich in der Hektik am Steg, egal, nix wie weg hier. Ich betete noch ein paarmal das der Treibstoff reicht, so 100%ig sicher war ich mir dabei nämlich nicht. Ab der Seemitte wurden die Wellen, die nun auch genug Platz hatten sich aufzubauen doch erschreckend groß und die 11&30st gierte mächtig. Allles andere als einfach hier mittels Ruder halbwegs Ruhe im Boot zu halten. Der Treibstoff reichte, bis auf etwas Gischt wurde ich nicht weiter naß, ich rutschte auch nicht vom Heck, alles gut. Aber direkt als ich durch die Tonnen der Hafeneinfahrt fuhr fing es wieder an zu regnen. Ok, für die Strecke brauchte ich bestimmt auch 40 Minuten, aber trotzdem, enger hätte das Wetterfenster nicht sein dürfen. Persenning drüberwerfen geschah dann schon im Regen, am Ende war das auch wieder mehr als der anfängliche Niesel, aber sei’s drum, ich packte meine Taschen und marschierte zum Kfz. Ab nach Hause!

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15.07.2018:

Da sich das Wetter dann recht schnell wieder von der Sahneseite präsentierte und mich aktuell zu Hause niemand vermisste, packte ich am Wochenende gleich wieder die Segeltasche samt Laptop und ’nem Haufen Filme und machte mich wieder auf zum Boot. Diesmal war Finale angesagt. Da war allerdings schon gegen 16:00 Anstoß, Kaiserwetter, diesmal sollte also ein Fernsehapparat auffindbar sein. Zur Not hatte ich ja den Laptop und das Wissen wie ich dort an WLAN kommen kann. Dachte ich. Am Boot angekommen, buchte ich mir vorsichtshalber schonmal für 24 h Inderned, Kosten 5 €. Die Notvariante also gleich ausprobiert, allerdings wie befürchtet, nur eine ganz dünne Leitung vorhanden, sodass Livestream auch bei Minimalqualität nur für 20 Sekunden ohne Nachladen funktionierte. Also Laptop zugeklappt, Segel gesetzt und raus über’n See. Das klappte windmäßig auch ideal, 2-3 Bft, achterlich, also ganz entspannt drüben angekommen, festgemacht und mir noch einen schönen Platz im Vorgarten der Kombüse gesichert. Die Jonnies trugen auch gerade den Flachbildfernseher herbei, passt also. In Feierlaune wie ich war bestellte ich mir erstmal bischen was zu Essen und n Bierchen dazu. Spiel war soweit ok, nur leider diesmal nicht mit dem idealen Ausgang, mein Geheimtipp hat es also auch im 3ten Anlauf nicht geschafft ein Turnier zu gewinnen. Hätten die Karierten nicht jedes Spiel nach der Vorrunde in die Verlängerung entschieden und der bekloppte Schiri die Schwalbe von greaseman korrekt bewertet, wär das auch anders ausgegangen. Sei’s drum, Fahrradkette… Ich hab auch Wichtigeres zu tun als diesen Nationalquatsch ernst zu nehmen. Zurück zum Boot gab ich mir lieber noch 3 Stunden Abendsegeln bis die Sonne unterging.

Am Steg angekommen, warf ich die Persenning drüber und versuchte mit der Verlängerungsschnur an die Steckdose zu kommen. Pustekuchen, die Steckdose sah irgendwie anders als der Stecker aus. Irgendwie mit 3 Löchern… Hmm. Ich schaute mal was die anderen da zum Betreiben ihrer Kühlschränke nutzten und fand recht schnell einen Adapter am polnischen Kutter, den ich mir, nachdem ich kurz am Boot rüttelte, um mich zu vergewissern dass da niemandem das Licht ausgeht, ausborgte. Dann fiel die Filmwahl recht einfach aus, es wurde Stromberg-Der Film, das heiterte meine Stimmung durchaus nachhaltig auf. Recht spät schlafen gegangen, super gepennt.

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16.07.2018:

Am nächsten Morgen wachte ich gegen 9 endgültig auf. Bei hellstem Sonnenschein noch ’n paar Schnappschüsse der Stegidylle gemacht.

Da weder Wind vorhergesagt war, noch sich welcher einstellte, ließ ich die Persenning gleich auf der einen Bootshälfte als Schutz vor der erbarmungslosen Sonne liegen und tuckerte mit Motörchen Richtung Mitte des Sees um einige Stunden Sonnenbaden mit Köppern ins kühlende Naß zu verbringen. Die Zwischenzeit nutzte ich dazu, das Buch zu beenden und ein paar Nickerchen zu halten. Absoluter Akku-auflad-Tag, dafür lohnt es sich zu leben.

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21.07.2018:

Kurz vor dem Familien-Sommerurlaub musste die Flytour dann allerdings auch wieder raus aus dem Nassen. Da ergab es sich ganz gut, dass mein Freund der Steinmetz sich am Freitag spontan nach dem nächsten Segeltag erkundigte. Morgen wär‘ perfekt, dann könnten wir das Boot gleich rausholen und in der Scheune parken. Gesagt, getan. Leider mal wieder das Navi vergessen, also keine Route vorhanden. Anyway, es war auf jeden Fall ziemlich viel Wind, sodass wir gerefft rausfuhren, ich dem Steinmetzen die Pinne in die Hand drückte und ihm den guten Ratschlag mitgab bei jeder Böe die Pinne festzuhalten, tief einzuatmen und innerlich bis 3 zu zählen. Dann langsam wieder ausatmen. Bei mir half diese Technik nämlich zuverlässig gegen kleine Panikattacken. Bei ihm glaube ich auch, er fierte die Großschot höchstens einmal. Wenn überhaupt. Als dann doch regelmäßig 6er Böen einfielen übernahm ich die Pinne. Nach 3 Stunden sonnigstem Segelspaß schossen wir raumschots superentspannt Richtung Hafen, holten das Tuch ein und verrichteten diese ganze Raussliparbeit. Boot in die Scheune verfrachtet und ab nach Hause, packen für den Sommerurlaub.

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