Man sagt Boote finden Menschen, nicht andersrum. Irgendwie war es bei „11&30st“ und mir nach ca. 4 Jahren des Träumens und Zögerns auch so.

Am Anfang stand die etwas spleenige Idee, hier in Sachsens Hauptstadt mit dem Segeln zu beginnen. Und damit meine ich wirklich beginnen, nicht wie die letzten 10 Jahre ein- bis zweimal pro Jahr mit wechselnden Vorschotern auf nicht besonders hübschen und kippligen Plastikjollen oder Strandkatamaren zu üben. Die Kinder (aktuell 6,5 und 2,5 Jahre alt) und meine wasserscheue Frau waren davon nie begeistert und ich suchte auch (vielleicht vor allem) nach einem „Familienhobby“. Die wenigen Binnenseen der Umgebung mit Verleihmöglichkeiten und meist wirklich unfreundlichen Vermietern taten ihr Übriges dazu. Es stand irgendwann die Entscheidung an, das Segeln konsequenterweise aufzugeben oder wirklich zu beginnen. Irgendwie kam dann vor ca. 4 Jahren das Bild einer BM-Jolle auf meinen Bildschirm und ich dachte: Das isses! Das Gaffelrigg ist schick und einfach, das Deck in Holz (wenn auch nur Sperrholz) ästhetisch ansprechend, der Rumpf in GFK aber relativ pflegeleicht. Also recherchiert, recherchiert und noch mehr recherchiert um irgendwann im Sommer 2015 für eine Woche in die Niederlande zu fahren um so eine offene Kieljolle mal richtig Probe zu segeln. Richtig heißt für 6 Tage, mit Übernachtung auf dem Boot und ordentlich Meilen. Die Törngeschichte hier: Törnbericht BM Jolle – Friesland 2015.

Nach dieser Woche war ich dann wirklich angefixt, der einzige Punkt der mir an der BM-Jolle nicht so wirklich gefiel, war das relativ nasse Segeln am Wind bei etwas Welle. Aus Zufall (der Verlinkung der Fly Tour auf der niederländischen Wikipediaseite der BM Jolle, siehe hier: Wikieintrag Fly Tour, nl.) sah ich zum ersten Mal eine Fly Tour und ich war mir sicher: Das isses wirklich! Irgendwann bau‘ ich dann mal ’nen deutschen Wikiartikel mit 11&30st-Fotos. 🙂

–>Das ist inzwischen auch erledigt!

Inzwischen hatte sich unsere Familiensituation dramatisch verändert, was mir allerdings das Gefühl gab, zumindest das Zeitproblem in den Griff kriegen zu können. Außerdem wurde mir deutlich gemacht das jeder eben nur einmal lebt und man nicht alles wovon man gerade träumt in die Zukunft verschieben sollte. Eventuell ist’s dann nämlich zu spät.

Also ca. 1 Jahr auf marktplaats.nl (is übrigens ’ne ebay-Tochter, man glaubt es kaum, doch es ist wahr!) und den anderen niederländischen Zweitehandseiten gesucht, gesucht, gesucht. Und im Frühjahr 2016 endlich gefunden! Hier die Kommunikation mit dem Vorbesitzer Pieter, der wirklich viel Engagement in den Verkauf gesteckt hat: Email-Ping-Pong mit Vorbesitzer. Danke Pieter!

Dann bleibt nur noch die Frage wie man solch ein Kielboot trailert ohne für jedes Wochenende auf dem Wasser 50 €+ für Krangebühren (inklusive Terminabsprachen mit Hafenmeistern und Kranführern) zu berappen. Die Antwort darauf habe ich persönlich so gefunden: Trailerbau. Danke Jeen!

Nur wo steht das Teil im Winter? Auch wieder per Zufall stolperte ich kurz bevor ich das Boot wirklich kaufte, über die Anzeige von Vinc auf ebay-Kleinanzeigen. Sinngemäß:

  • Habe Scheune mit viiiel Platz
  • Würde gerne hin und wieder mal segeln
  • Biete Stellplatz gegen Mitbenutzung
  • Bevorzugt kleines Kajütboot

So weit so gut, bis auf den letzten Punkt klang alles passend, also ne Woche drüber nachgedacht, angerufen, sich verabredet und zumindest von meiner Seite aus passte das sofort! Genossenschaftliches Prinzip! Mein Vater pflegte früher immer den Spruch: „Eine Hand wäscht die andere“ zu benutzen. So war das damals.

Glücklicherweise hatte Vinc wohl auch kein so schlechtes Gefühl bei der Geschichte, also Hand drauf und der Deal war perfekt, ich hab‘ jetzt ein kostenloses Winterlager, versuche Vinc beim Scheune sauber halten zu unterstützen und geb‘ ihm ab nächstem Frühjahr bisken Segelzeit, klingt erstmal super. Danke Vinc!

Wäre aber irgendwie auch langweilig wenn alles SO reibungslos läuft, schließlich sind wir hier ja nicht bei Wünsch-Dir-Was oder auf’m Ponnyhof sondern in der Bananen-Republik-Deutschland, also hier: Zulassungsbehördenwirrwarr, noch die ärgerliche Seite der Geschichte. Wie könnte es anders sein, es dreht sich um die deutschen Zulassungsbestimmungen (oder wie diese interpretiert werden…). Kein Danke an die sächsischen Bürokraten!

Viel Spaß beim Lesen des Blogs, unter „Törnberichte“ und „Instandhaltung“ werde ich den weiteren Lebensweg der 11 & 30st so gut es geht dokumentieren, vielleicht hilft es Gleichgesinnten irgendwie weiter…

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